Medien : Barbara Eligmann im Gespräch: 2000 Mal "Explosiv"

Bis zur Geburt Ihres Sohnes hatten Sie den Ruf ein

Barbara Eligmann, 36, moderiert seit 1992 "Explosiv" bei RTL. Die Journalistin kam über ein Volontariat beim "Westfalen Blatt" und paralleler Fernseharbeit für Sat 1 erst zu "RTL Nord Live", ehe sie zu "Explosiv - Das Magazin" wechselte. Am Mittwoch läuft die 2000. Ausgabe der Boulevardsendung - mittlerweile in Deutschland das erfolgreichste Format seines Genres.





Bis zur Geburt Ihres Sohnes hatten Sie den Ruf einer unnahbaren Nachrichtenlady. War das ein bewusst gewähltes Image, weil es zu einem knallharten Boulevardmagazin wie "Explosiv" passte oder war der Mensch Barbara Eligmann tatsächlich so unnahbar?

Der Mensch Barbara Eligmann war zu keiner Zeit seines Lebens unterkühlt. Ein Format wie "Explosiv" kann aber keine Moderatorin gebrauchen, die alle Gefühlswelten, die angesprochen werden, selbst auch durchlebt. Wenn ich jedesmal, wenn etwas Lustiges kommt, über alle Backen strahle, oder wenn etwas Tragisches zu sehen ist, ein paar Tränchen verdrücke, dann erinnert mich das an das Laienschauspiel Köln-Junkersdorf, hat aber nur wenig mit Journalismus zu tun, ist also kaum souverän ...

also handelt es sich um ein Image ...

Ich glaube, dass die Menschen sich damit ein bisschen schwer getan haben, weil es zuvor eine solche Sendung nicht gab. Frauen im Fernsehen waren bis zu diesem Zeitpunkt weich und kamen stets sinnlich daher. Zu dieser Zeit vergoss Schreinemakers beinahe in jeder Sendung Tränen.

Hatten Sie bei "Explosiv" nie Bedenken, die Betroffenen durch die Boulevardisierung ihres Unglücks auch noch Ihrer Würde zu berauben?

Es wird niemand gezwungen mitzumachen, das ist bei uns nicht anders als bei den Talk-Shows. Für mich ist es wichtig, dass ich den Leuten hinterher noch in die Augen sehen kann. Diesbezüglich habe ich mir keine Vorwürfe zu machen.

Wo ist die Grenze?

Das ist eine schwierige Frage, weil sich Moralbegriffe rasend schnell verändern. Wer hätte sich vor zwei, drei Jahren vorstellen können, dass wir zehn Leute, die in einem Container eingeschlossen sind, beim Duschen beobachten? Plötzlich aber ist die Zeit reif, und es kommt dann darauf an, wie man diese Dinge präsentiert.

Hat es Situationen gegeben, wo Sie wider besseren Wissens und Gewissens diese Grenze der Quote zuliebe überschritten haben?

Ich kann mich an keinen Fall erinnern. Ich glaube, dass ich über die Jahre hinweg einen ganz guten Instinkt dafür entwickelt habe, was man machen kann und was nicht, bzw. dafür, ob Geschichten beim Zuschauer ankommen. Auch der Zuschauer hat sich schließlich mit der Sendung weiterentwickelt: Was vor acht Jahren vielleicht noch überrascht hat, sorgt heute kaum noch für Aufregung.

Wenn Sie 2000 Sendungen Revue passieren lassen: Gibt es etwas, von dem Sie besser die Finger gelassen hätten?

Eine Geschichte hat mich furchtbar geärgert; das war das vermeintliche "Diana und ihr Rittmeister"-Video, wo eine Diana täuschend ähnliche Person "Hoppe, Hoppe Reiter" spielte. Dieses Video wurde RTL aus England angeboten und man griff sofort zu. Nachdem es den ganzen Tag über in allen Sendungen gezeigt wurde, stellte sich aber am Abend heraus, dass es sich um einen Fake handelte. In einem solchen Moment denkt man schon "Scheiße, wie konnte das passieren!".

Wenn man tagtäglich mit Elend, Leid und Verbrechen konfrontiert wird, wie bewahrt man sich vor der Gefahr abzustumpfen?

Indem man sich neben seinem Job ein "normales" Leben erhält mit einer Familie und mit Menschen, die mit beiden Beinen fest auf den Boden stehen und nichts mit diesem Metier zu tun haben.

Welche Themen bereiten Ihnen das größte Kopfzerbrechen?

Gerade Sex ist sicherlich ein zweischneidiges Thema. Einerseits ist das etwas, was die Leute sehen wollen, andererseits aber möchten sie Sex nicht unbedingt abends um sieben. Ähnliches gilt auch für harte Geschichten. Es gibt Informationen, bei denen ist es gut, wenn man sie hat. Nicht gut ist es aber, diese Informationen weiterzugeben, weil sie einfach das, was ein Mensch ertragen kann, übersteigen. Das bezieht sich nicht nur auf Bilder. Viel unerträglicher kann sein, wenn zum Beispiel ein Staatsanwalt in allen Details erzählt, was mit einem Kind geschehen ist, bevor es getötet wurde. Hier ist weniger mehr.

Mit "weniger" macht man aber nicht mehr Quote. Die wiederum erzielt nicht nur "Explosiv" vielmehr mit einer ständig zunehmenden Zahl an Boulevard-Themen.

Das ist eine Entwicklung, die ich mit großem Staunen verfolge. "Explosiv" hat in dieser Hinsicht vieles ermöglicht, hat viele Nachrichtensendungen beeinflusst. Wenn man heute noch einmal sieben, acht Jahre alte News ansehen könnte, dann würde man wohl die Hände über dem Kopf zusammenschlagen: "Vorfahrt Bundeskanzleramt, Abfahrt Bundeskanzleramt", nur nicht das, was die Leute tatsächlich interessierte. Heute dagegen zeigt man solche Themen, die Emotionen ansprechen, nicht mehr unter ferner liefen, sondern durchaus auch weiter vorne, selbst bei den öffentlich-rechtlichen Sendern ...

so dass "Big Brother" heute bisweilen wichtiger scheint als Wahlen in Israel.

Das stimmt schon, aber offensichtlich gibt es doch ein großes Interesse mitzuerleben, wie ganz normale Menschen, wie du und ich, Öffentlichkeit erlangen oder sogar berühmt werden. Im Grunde hat mich die Hysterie um "Big Brother" an die Aufregung um Guildo Horn oder um das Stück "Maschendrahtzaun" erinnert. Eine simple Geschichte, bei der jeder mitreden kann, wenn er hier ein bisschen liest und dort ein bisschen fernsieht.

Wird es demnächst die Talk-Moderatorin Barbara Eligmann geben?

Es ist noch zu früh, über meine neue Sendung zu sprechen, zum einen, weil noch daran gearbeitet wird, zum anderen, weil auch die Konkurrenz gerne schaut, was andere Sender in petto haben. Es wird aber definitiv keinen Genre-Wechsel geben, keine Talk- und auch keine Game-Show, ich verstehe mich in erster Linie noch immer als Journalistin und nicht als Moderatorin. Ich bin niemand, der in seiner Freizeit noch schnell ein Autohaus eröffnen oder eine Modenshow moderieren muss.

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