Barbara Schöneberger : „Ich bin dreidimensional“

Sie hüpft, springt, lacht - und vor allem redet sie. Doch Barbara Schöneberger sieht sich im Fernsehen falsch dargestellt. Jetzt hat sie ein Orchester um sich geschart und singt.

Schöneberger
Late Night. Barbara Schönebergers Stunde schlägt erst in der Nacht. -Foto: Arno Burgi/dpa

Frau Schöneberger, Ihre Agentur kündigt Sie als „glamouröse Chanteuse mit Orchesterbegleitung“ mit „One Night To Remember“ an. Was sind Sie: Sängerin, TV-Moderatorin, personifizierte Stimmungskanone?

Tolle Frage: ich bin einfach Barbara Schöneberger, und das schon sehr lange. Ich mache das, womit ich auf möglichst amüsante Weise Geld verdienen kann. Dieses Konzept versuche ich immer mehr zu optimieren, am liebsten auf der Bühne mit Publikum.

Ist eine Musikkarriere dankbarer als eine im TV, weil es um Können geht, das auch belohnt wird?

Kann ich schlecht beurteilen, noch habe ich keine Gesangskarriere gemacht. Im Grunde nicht mal eine TV-Karriere. Ich könnte mir aber vorstellen, dass Musiker eher als Künstler wahrgenommen werden. Wenn man locker durchs Programm führt, sieht das unangestrengt aus und wird nicht als Qualität gewertet. Meine Agentin sagte kürzlich: „Jetzt bist du eine richtige Künstlerin.“

Sind Sie als Moderatorin gescheitert?

Ich bekomme jede Woche Angebote, aber die sind indiskutabel. Ich soll mein Gesicht für irgendwelche Themen hergeben. Wer einmal eine Personality-Show hatte, will auch wieder eine und nicht etwas, bei dem fünf Autoren vorschreiben, was du zu sagen hast.

Schön, wenn man sich diese Haltung leisten kann.

Man versteht erst nicht, was mit einem geschieht. Von allen Seiten wird an einem gezerrt, und plötzlich stellt man fest: „Da bin ich also gelandet.“ Das war bei der „Schöneberger-Show“ so. Man muss sich entscheiden: Will ich die große Karriere und hacke mir alle Ecken und Kanten ab, um in den Samstagabend zu passen, oder bleibe ich mir treu? Für den Grimme-Preis war ich sicher nicht nominiert, weil ich für den Samstagabend kompatibel bin. Und Leute, die mir gefallen, wie Harald Schmidt oder Jörg Thadeusz, tauchen nicht umsonst erst am späten Abend auf.

Der Samstagabend war also nie Ziel?

Es gibt nichts Schlimmeres als den Samstagabend. Das kann kein Ziel sein, weder finanziell – ohne eigene Produktionsfirma verdient man damit keine Reichtümer – noch ideell.

Zurzeit finden Sie im Fernsehen nur als Gast statt. Besteht die Gefahr, zum typischen B-Promi zu werden, der durch alle möglichen Formate gereicht wird?

Ich bin länger nicht in Talkshows gewesen, jetzt wieder mehr, um meine Konzerte zu promoten. Wenn ich zu „Genial daneben“ gehe, bin ich kein Gast, sondern Teil eines festen Ensembles. Auch bei „Frei Schnauze“.

Befürchten Sie nicht, zu einem „Berufstalkshowgast“ zu werden?

Man wird im TV immer nur ausschnittweise gesehen. Ich kann es nicht ändern, wenn die Leute sagen: „Die Schöneberger mit ihren blonden Haaren ist ja so geil!“ Da kann ich mich fünfzehn Mal hinstellen und postulieren: „Ich bin dreidimensional, bitte seht auch meine intellektuelle Seite.“ Man wird nie so wahrgenommen, wie man ist. Kerner ist nicht nur der nette Mensch, der für alles Verständnis hat, und Maischberger nicht nur die ernste Journalistin. Mich nehmen Leute vielleicht als dicke, lustige Frau wahr. Ich bin selbst weiter als die Wahrnehmung des Zuschauers.

Wie sieht Ihre Selbstwahrnehmung aus?

Könnten Sie das von sich sagen? Sportlich, kinderlieb, naturverbunden? Da entstehen doch Klischees wie „die Gartenarbeit liebende, putzwütige Naturfrau“. Soll ich deshalb wie ein Teufel aus der Kiste springen und schreien: „Ich lese auch Bücher und gehe ins Kino“? Man muss schon zufrieden sein, wenn Sie wenigstens ein einigermaßen aktuelles Foto nehmen und nicht eins vom ersten Foto-Shooting mit gespreizten Beinen und einem Satinlaken vor dem Schritt.

Fernseherfolg muss also mit dem Verlust der Selbstbestimmung erkauft werden?

Zumindest müsste man, wenn man alles richtig machen will, jemanden haben, der jedes Foto, jede Aussage, jedes Outfit, jede Frisur kontrolliert. Ich habe fünf Jahre lang nur drauflos gequatscht. Wenn ich überlege, was ich alles erzählt habe, ist es Wahnsinn, dass ich zu „Wetten, dass..?“ eingeladen wurde und meine Freunde noch mit mir sprechen.

Wo ist der Platz für Barbara Schöneberger im Fernsehprogramm?

Nach 22 Uhr 30 Uhr, eine halbe Stunde lang gemeinsam mit Jörg Thadeusz, die Dinge des Lebens besprechend. Hauptsache nicht das Große-Katzen-Rasieren oder das Große-Dance-Event und so weiter. Denn dann ist man immer nur der Heini des gerade angesagten Themas. Da möchte ich aber lieber meiner eigenen Person dienen.

Das Interview führte Andreas Kötter

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