Medien : Barbara Schöneberger und Geschichte halten das ZDF jung

Der Fernsehsender ist beim Publikum so erfolgreich wie lange nicht mehr. Mit Programm-Kosmetik soll sich der Erfolg fortsetzen

Joachim Huber

„Der Kanzler hat Nein gesagt. Gerhard Schröder will kein neues Fernsehduell.“ Wie ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender bei der Pressekonferenz zum ZDF-Programm 2003 berichtete, fand die Idee im Kanzleramt keine Resonanz. Auch ohne dieses Format sieht sich der Fernsehsender in einer guten Wettbewerbsposition – dank des Rückenwindes aus 2002. „Wir sind im Markt so stark wie seit fünf Jahren nicht mehr und haben zur Zeit einen Marktanteil von 13,9 Prozent“, sagte Intendant Markus Schächter. Zur Verlängerung dieses Erfolges setzt der Sender auf neue Köpfe, ein verändertes Sendeschema und neue Programme. Einige der neuen Köpfe: Claus Kleber, bisher ARD-Korrespondent in London, übernimmt das „heute-journal“ von Wolf von Lojewski (moderiert „Abenteuer Wissen“ und stellt „Lojewskis Typen“ vor). Steffen Seibert („Reporter“) präsentiert die „heute“-Nachrichten um 19 Uhr. Barbara Schöneberger bekommt eine Unterhaltungsshow am Sonnabend nach dem „Aktuellen Sport-Studio“. Schöneberger ist 28 Jahre alt, Seibert 42 , Kleber 47. Im Vergleich zum durchschnittlichen ZDF- Zuschauer – 58 Jahre – sind diese „Gesichter“ jung, sehr jung. Beim entsprechenden Publikum will das ZDF endlich punkten. „Die Schöneberger Show“ ist eine Maßnahme, „Bravo TV“ (von RTL 2 abgeluchst) eine zweite.

Mehr junge Zuschauer und mehr Publikum in der stärksten Einschaltphase durch mehr Unterhaltungsangebote: Hans Janke, der Fernsehspiel-Chef, kündigte für Freitagabend eine zweite Krimi-Serie an, dafür wird „Die Reportage“ in den frühen Sonntagabend entsorgt. Am gleichen Tag beendet das ZDF sein „Sammelsurium“ (Janke) nach dem „heute-journal“ um 22 Uhr 15: Dort werden unter dem Anspruch des „Erzählfernsehens“ künftig Kinofilme und internationale Koproduktionen platziert.

Ob es Guido Knopp gefällt oder nicht, ZDF-Intendant Markus Schächter sieht die Beiträge zur NS-Zeit „im Abschwung“. Entsprechend wird der Doku-Platz am Dienstag für weitere, nicht nur zeitgeschichtliche Themen geöffnet. Nach „Stalin“ folgen Filme über den Mount Everest und das Doku- Drama zum 17. Juni 1953. Chefredakteur Brender sieht das ZDF mit diesem Programm derart auf Erfolgskurs, dass er ausrief: „Mit Geschichte wird das ZDF jung!“ Brender ist 53.

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