Medien : Basar Lerchenberg

Joachim Huber

Es ist genau nachgezählt worden. Der schwarze Freundeskreis hat jetzt 41 Stimmen im ZDF-Fernsehrat sicher, der rote 36 Stimmen. Für seine Wahl zum neuen Intendanten auf dem Mainzer Lerchenberg braucht ein Kandidat aber 47 Stimmen. Wenn am 6. Dezember um 20 Uhr der erste Wahlvorgang beginnt, sagen die politischen Kreise voraus, werden weder der unionsnahe Kandidat, der stellvertretende Chefredakteur Helmut Reitze, noch die "rote" Kandidatin, die Chefin des NDR-Funkhauses Hamburg, Dagmar Reim, 47 Stimmen auf sich vereinigen können. Dann kommt der zweite Wahlgang, dann der dritte. Dann ist es spät geworden, und kein neuer ZDF-Chef ist gefunden. Am nächsten Morgen folgt die reguläre Sitzung des Fernsehrats. Während der Nacht könnte nachgedacht, auch neu verhandelt worden sein - ein Geschäft nämlich. Ein Angebot von Seiten der Union an die Sozialdemokraten: Wählt Ihr unseren Reitze, dann könnt Ihr dessen Position mit Parteigängern besetzen. Helmut Reitze ist nicht nur stellvertretender Chefredakteur, sondern zudem Leiter der Redaktion Aktuelles, also der Nachrichtenchef des Senders. Hier ist ein Split denkbar. Ruprecht Eser, der momentan den Sonntags-Talk "halb zwölf" moderiert, wird zum stellvertretenden Chefredakteur gekürt, und für die machtvollere Position des Leiter Aktuelles rückt der Leiter eines ZDF-Landesstudios nach.

Hier verfügt die SPD über Kandidaten und Bewerber. Da wäre zum einen Norbert Lehmann, Chef des Landesstudios Hessen, da wäre zum anderen Martin Schmuck, der die ZDF-Dependance in Düsseldorf leitet. Schmuck gehört zum Umfeld von NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement, der die laufende Intendanten-Findung scharf kritisiert hat. Da wäre dann Ruhe im SPD-Karton. Und Dagmar Reim? Hätte sich in der soundsovielten Wahlrunde ehrenvoll zurückgezogen.

Und wenn alles ganz anders kommt, dann kommt dies doch ganz gewiss: eine Pressekonferenz am 7. Dezember um 13 Uhr im ZDF. Der amtierende Intendant Dieter Stolte und Fernsehratschef Konrad Kraske haben ihr Kommen fest zugesagt. Steht ein dritter Stuhl auf dem Podium, dann hat das ZDF einen neuen Chef.

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