Medien : Baseball auf dem Mars

„Space Odyssey“, eine Raumfahrt-Fiktion bei Pro 7

Till Frommann

Es könnte ein Dokumentarfilm sein: Verwackelte Bilder, Interviews und die typische Das-ist-wirklich-passiert-und-wirwaren-mit-unserem-Kamerateam-dabeiÄsthetik erwecken den Anschein. Doch fast alles ist ausgedacht in dem Film, die vermeintlichen Astronauten sind Schauspieler. Doch nicht alles an dem Weltraumabenteuer „Space Odyssey“, einer BBC-Produktion bei Pro 7, ist fiktiv: Das Abenteuer „basiert auf wissenschaftlichen Fakten“, heißt es zu Beginn. Die Fakten würden sich auf Daten stützen, die „in mehr als vierzig Jahren durch Forschungssatelliten und bemannte Raumflüge gewonnen wurden“. Die „Pegasus“ ist ein 1,6 Kilometer langes Raumschiff. Erstes Ziel auf der Reise durchs All, um nach Anzeichen von außerirdischem Leben zu suchen: Die Venus, der „lebensfeindlichste Planet unseres Sonnensystems“.

Elektrostatische Stürme und Temperaturen von bis zu 485 Grad Celsius erschweren die Mission der Astronauten. Wenn Bordingenieur Ivan Grigorev die Venus betritt, muss er deshalb einen hundert Kilo schweren Titananzug tragen, der auch nur etwa eine Stunde lang funktionstüchtig sein wird. „Es ist ein bisschen so, als wenn man nach Rom fährt und nur zwei Sekunden in der Sixtinischen Kapelle sein kann“, kommentiert der Astronaut den Zeitdruck. Deshalb werde er „keine langen Reden schwingen“, sondern schnell „ein paar Steine sammeln“. Das klingt bescheiden, und das menschelt. Der gezeigte Alltag im Raumschiff wie auch ihr Baseballspiel auf dem Mars bringen dem Zuschauer die Astronauten menschlich näher. Dramatische Szenen sorgen für Spannung.

Für „Space Odyssey“ zeigt sich dasselbe Special-Effects-Team verantwortlich, das bei „Dinosaurier – Im Reich der Giganten“ die bedrohlich-riesigen Urzeitwesen entworfen hatte. Die Landschaften der Planeten, der Weltraum und das Raumschiff sehen teilweise sehr künstlich aus, wie aus einem Computerspiel.

„Space Odyssey“ ist kein Einzelfall. Es gibt noch viele andere Filme, die zwar vorgeben, Dokumentationen zu sein, in Wirklichkeit aber fantasieren. Zum Beispiel den mit einem Grimme-Preis prämierten Arte-Film „Kubrick, Nixon und der Mann im Mond“, in dem es darum geht, dass die Mondlandung der Amerikaner nichts anderes als die Inszenierung des Regisseurs Stanley Kubrick war. Die Dokumentation selbst: Ebenfalls nur eine Inszenierung. Auch Guido Knopp, Leiter der ZDF-Redaktion Zeitgeschichte, hat sich ins Land der Fantasie begeben. 1998 produzierte er den Film „Der Dritte Weltkrieg“, der sich mit dem Verlauf eines Krieges befasst, welchen es bekanntermaßen und glücklicherweise nie gegeben hat.

„Space Odyssey" ist trotz oder gerade wegen des Spiels mit der Wirklichkeit ein unterhaltsamer und lehrreicher Film geworden – durch die fiktive Handlung vermittelt er Wissen anschaulich und spannend. Die Realität leidet zwar, aber ist das etwas Besonderes? Das tut sie doch fast immer im Fernsehen.

„Space Odyssey – Mission zu den Planeten“, Pro 7, 20 Uhr 15

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