Medien : Bau des Kanzleramtes: Ein Stück Polit-Feuilleton

Simone Leinkauf

Baustellen, wohin man schaut - Umleitungen und gesperrte Straßen, die seit Monaten Touren durch die neue Mitte Berlins zu Geduldsproben machen: Seit dem Umzugsbeschluss für die Regierung wächst Berlin. Die meisten Bonner haben sich inzwischen in der alten, neuen Hauptstadt oder den umliegenden Gemeinden eingerichtet - trotz der Baustellen.

Am beeindruckendsten und für viele ob der teilweise schon fast unmenschlichen Maße auch am abschreckendsten ist das neue Regierungsviertel. Selbst Bundeskanzler Gerhard Schröder stellte mit Blick auf seinen Vorgänger fest, dass das Kanzleramt am Spreebogen "eine Dimension angenommen hat, die dem einen oder anderen Politiker gleichsam wie auf den Leib geschneidert sein mag". Nun zieht Schröder dennoch um. Die ZDF-Journalisten Markus Gross und Joachim Jauer widmen dem Bau des Kanzleramtes eine Langzeitreportage - sie folgten den Baufortschritten von der Grundsteinlegung am 10. September 1997 bis zur aktuellen Eröffnung des Kanzleramtes. Ihre Dokumentation, die heute um 22 Uhr 45 im ZDF ausgestrahlt wird, ist jedoch weit mehr geworden als ein Architekturfilm. Gross und Jauer versuchen in den viel zu kurzen dreißig Minuten die drei folgenden Hauptgedanken zusammen zu bringen: Zum einen geht es um die Feierlichkeiten zum 300-jährigen Bestehen Preußens, zum zweiten werden die Veränderungen Berlins durch den Zuzug der Bonner am Beispiel des importierten Karnevalsumzugs gezeigt, zum dritten werden DDR-Traditionen wie beispielsweise die Verehrung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht aufgenommen.

Alles in allem ist den Autoren damit ein feuilletonistischer Streifzug durch das neue Berlin gelungen, in dem neben Gerhard Schröder auch Wolfgang Thierse als Hausherr des benachbarten Parlamentes und der Kanzleramts-Architekt Axel Schultheis zu Wort kommen. Anekdoten aus der Geschichte des Staatsratsgebäude werden ebenso präsentiert wie Stimmungsbilder aus dem heutigen Berlin: Eine lohnenswerte, wenn auch an manchen Stellen fast zu dicht gewordene halbe Stunde Polit-Feuilleton.

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