Bauern, Boxen, Bohlen : Der Casting-Sender

RTL setzt 2011/2012 auf bewährte Formate und lässt einen prominenten Neuzugang sein Glück versuchen: Oliver Pocher wechselt von Sat 1 zum Kölner Privatsender.

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Den Raab soll Oliver Pocher jetzt bei RTL mit einer neuen Show machen. Foto: dapd
Den Raab soll Oliver Pocher jetzt bei RTL mit einer neuen Show machen. Foto: dapdFoto: dapd

Marktführer RTL entdeckt die Bescheidenheit: „Auf vielen Sendeplätzen wird sich der Marktanteil kaum toppen lassen“, sagte Anke Schäferkordt gestern in Köln. Die Ziele für die kommenden Monate klingen daher ungewohnt defensiv: Von „Optimierung“ und „Marktanteile halten“ sprach die Sender-Chefin bei der Präsentation der Programm-Höhepunkte 2011/12 und davon, einen „angemessenen Vorsprung“ zu verteidigen.

Mit einem Marktanteil von 18,9 Prozent lag RTL im ersten Halbjahr 2011 bei den 14- bis 49-Jährigen mehr als sieben Prozentpunkte vor dem zweitbesten Konkurrenten Pro Sieben (11,5 Prozent) – „ein absoluter Rekordvorsprung“ laut Schäferkordt.

Bei der Verteidigung des Vorsprungs soll auch ein prominenter Neuzugang helfen: Oliver Pocher, der bei dem Kölner Privatsender bereits „Fünf gegen Jauch“ präsentierte, wechselt nun exklusiv zu RTL und setzt damit seine Sender-Rochade fort. Zuvor war er von der ARD zu Sat 1 gegangen, wo seine „Oliver-Pocher-Show“ wegen schlechter Quote im Frühjahr beendet wurde. Zuletzt hieß es zwar, dass Pocher künftig eine größere Rolle beim Sat-1-Schwestersender Pro Sieben spielen könnte – doch der Comedian bevorzugt nun offenbar doch einen kompletten Wechsel. „Wir haben sehr gerne mit Oliver Pocher zusammengearbeitet und wünsche ihm alles Gute für seine neuen Herausforderungen“, sagte Sat-1-Sprecherin Diana Schardt.

Bei RTL versucht sich Pocher nun mit dem neuen Format „Alle auf den Kleinen“, das im Spätherbst starten soll und an „Schlag den Raab“ erinnert. Neben Pocher setzt RTL auf weitere Comedians. Erstmals präsentiert Michael Mittermeier seine Show bei dem Sender. Mario Barth wird seine Witze ein zweites Mal im Berliner Olympiastadion reißen, dazu läuft der „Comedy Grand Prix“. Ein Wiedersehen gibt es mit „Der Bachelor“. Auch sonst walzt RTL das Casting-Prinzip weiter aus: Bei „Deutschlands Casting-Helden“ treten Kandidaten auf, die bei „DSDS“ oder dem „Supertalent“ zwar gefeiert wurden, aber nicht gewonnen haben.

RTL wirft mittlerweile auch ein Auge auf die etwas älteren Zuschauer. Die 20- bis 59-Jährigen seien eine Zielgruppe, „die wir uns immer mehr ansehen“, erklärte Schäferkordt. RTL auf dem Weg zum Ü-50-Sender, sieh an.

RTL ist vor allem ein geschickt manövrierter Unterhaltungsdampfer, der dank Dschungelcamp und „DSDS“, Formel 1 und Klitschko-Boxen, dem pseudodokumentarischen Billigfernsehen am Nachmittag, grenzwertigem Lebensberatungskitsch Marke „Helena Fürst – Anwältin der Armen“ und Herz-Schmerz-Inszenierungen à la „Bauer sucht Frau“ weit enteilt ist. Die etablierten Formate werden natürlich fortgesetzt, doch die Quoten-Erfolge, glaubt man Schäferkordt, machen RTL auch ein wenig mutiger. Neue Formate sollen etabliert werden.

So bringt der Sender demnächst gleich drei eigenproduzierte Serien an den Start: „Die Draufgänger“ mit Dominic Boeer und Jörg Schüttauf, die Sitcom „Sekretärinnen“ sowie „Transporter“. Dafür verzögere sich die Fortsetzung von „Doctor’s Diary“, weil man noch keinen passenden Termin gefunden habe, um das gesamte Team zusammenzubringen.

Als einzige neue US-Serie wird im September „White Collar“ starten. Bei den Kinofilmen ragt „Avatar“ von James Cameron heraus. Auch die großen Event-Produktionen hätten sich bewährt. So zeigt RTL das Katastrophen-Movie „Bermuda-Dreieck Nordsee“.

Und Günther Jauch? Der neue ARD-Talkmaster bleibt weiterhin ein wichtiges Show-Gesicht bei RTL, zu sehen bei „Wer wird Millionär?“, „Fünf gegen Jauch“ und auch als Moderator von „Der große Deutschland-Test“. Thomas Gehringer/Sonja Pohlmann

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