Medien : Bayerischer Rundfunk: Die feinen Unterschiede

miw/jbh

Mit einer spannenden Entscheidung wird heute bei der Intendantenwahl des Bayerischen Rundfunks (BR) gerechnet. Den 47 Rundfunkräten, die über die Nachfolge des aus dem Amt scheidenden Intendanten Albert Scharf, 66, bestimmen, stehen zwei Kandidaten zur Wahl: der 54 Jahre alte Gerhard Fuchs, BR-Fernsehdirektor, und der 58-jährige Thomas Gruber, Hörfunk-Direktor des BR. Spannend ist die Wahl nicht deswegen, weil ein linker Kandidat gegen einen rechten antritt, sondern weil beide Anwärter aus dem konservativen Lager stammen. Fuchs und Gruber weisen weitere Gemeinsamkeiten auf: Beide sind katholisch, nicht erzkonservativ, nicht in der CSU (aber nahe dran), beide sind "voll im Einsatz für den Sender", wie ein Rundfunkratsmitglied sagt.

Wie gleichrangig Fuchs und Gruber gesehen werden, belegt auch die Tatsache, dass die Bewerber jeweils vier Mal aus dem Rundfunkrat für die BR-Spitze vorgeschlagen wurden. Das Gremium wollte eigentlich im Herbst wählen, zog den Termin aber auf den 26. Juli vor. Auf eine Ausschreibung des Intendantenpostens wurde verzichtet, stattdessen sammelte der Rat Personalvorschläge aus den eigenen Reihen. Die roten, die grünen und die "grauen", sprich parteipolitisch nicht gebundenen Gremienmitglieder hatten keine Vorschläge, also stehen zwei unterschiedliche konservative Temperamente und Talente zur Wahl. Fernsehdirektor Fuchs gilt als Favorit von Ministerpräsident Edmund Stoiber. SPD und Grüne votieren gemeinsam mit dem Bayerischen Journalistenverband für Gruber. Das ist mehr ein Reflex auf die CSU-Vormacht in Land und Rundfunkrat als ein Bekenntnis für Gruber. Dagegen würde sich der Hörfunkdirektor auch verwehren. Zünglein an der Waage sind die grauen Rundfunkräte, die nicht eindeutig zu den CSU-Räten um den CSU-Fraktionschef im Landtag, Alois Glück, gezählt werden können. Dass die Wahl geheim ist, macht den Ausgang um so offener.

Sollte nach drei Wahlgängen kein Kandidat eine Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen erreicht haben, würde das ganze Wahlverfahren wiederholt. Dann könnten auch externe Bewerber wie Reiner Maria Gohlke, früherer Bahnchef und Manager beim Süddeutschen Verlag, ins Rennen gehen. Mit einem fortgesetzten Wahlverfahren rechnet aber keiner im BR.

Thomas Gruber kam 1981 zum Bayerischen Rundfunk als Assistent des damaligen Fernsehdirektors Helmut Oeller, zuvor arbeitete er als Medienreferent für CDU-Ministerpräsident Gerhard Stoltenberg in Schleswig-Holstein. Grubers weitere Stationen in München: 1986 Leiter der Intendanz unter Reinhold Vöth, danach Leiter des Studios Franken. Seit September 1995 ist Gruber Hörfunkdirektor. Wer ihn schon einmal erlebt hat, wird einen angenehm unkonventionellen Mann in Erinnerung haben: sachlich und mit einem Hang zur Selbstironie.

Anders als Gruber hat Gerhard Fuchs ein "öffentliches" Gesicht. Der ebenfalls betont sachliche Journalist moderiert nicht nur im Wechsel mit WDR-Intendant Fritz Pleitgen den "Presseclub" in der ARD, er hat auch schon die "Tagesthemen" präsentiert, als er zwischen 1991 und 1993 Erster Chefredakteur von ARD-aktuell in Hamburg war. Fuchs begann 1978 als Wirtschaftsredakteur beim BR. Vor Hamburg arbeitete er als stellvertretender Fernseh-Chefredakteur, nach Hamburg als Chefredakteur. Am 1. September 1995 wurde Fuchs zeitgleich mit Gruber Direktor - Fernsehdirektor.

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