Medien : "Bayernkurier": Das Sprachrohr der CSU verstummt

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Wilfried Scharnagl, seit 1977 Chefredakteur der CSU-Parteizeitung "Bayernkurier", gibt im März sein Amt ab, "aus persönlichen Gründen". Der 61-Jährige war ein enger Vertrauter von Franz Josef Strauß. Er galt als dessen Stimme. "Er schreibt, was ich denke und, ich denke, was er schreibt", kennzeichnete der CSU-Chef einmal das Verhältnis zu seinem Chefschreiber. Zahlreiche Artikel mit dem Namen Strauß als Autor stammten aus der Feder Scharnagls. Scharnagl schrieb aber nicht nur im Sinne von Strauß; in internen Auseinandersetzungen der CSU stand er immer fest an der Seite des Partei-und Regierungschefs. Nach dem Tod von Strauß fand dessen Nachfolger Theo Waigel in Scharnagl einen loyalen Mitstreiter. Als Edmund Stoiber den Parteivorsitz übernahm, schien Scharnagls Einfluss geringer zu werden. Überdies widersetzte er sich hartnäckig allen Versuchen, die Herausgabe des "Bayernkurier" wegen des hohen jährlichen Defizits einzustellen. Sein Kampf für den Erhalt des Blattes war insofern erfolgreich, als eine Tochtergesellschaft der "FAZ" die Verlagsgeschäfte übernahm und das Weiterleben sicherte. Edmund Stoiber pries die "publizistische und politische Lebensleistung" Scharnagls sowie seine "Arbeit als wichtiger Ratgeber und persönlicher Freund". Wie die neuen Aufgaben aussehen, denen sich der Scharnagl zuwenden will, blieb unklar.

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