Medien : Beate Uhse TV: Entübelte Körper

Jochen Meissner

Die Urmutter der deutschen Nachkriegserotik startet einen eigenen Fernsehkanal - Beate Uhse TV. Die Motive sind edel. Man will "Sexualität entübeln und normalisieren, sie aus der Nische der Verdammten und vom Geruch des hochgeschlagenen Mantelkragen befreien", verkündete Geschäftsführer Andreas Lange. So bunt gemischt wie die Metaphernwelt soll auch das Programm sein. Pro Jahr bekommt der Sender 160 bis 180 Filme von seinem 50-Prozent-Gesellschafter, der Schweizer Erotik Media AG. Die werden ergänzt durch Produktions- und Lehr-Formate (Making of ..., How to ...). Einmal pro Woche gibt es ein Gay-Format.

Was man in den Containern der Republik nicht zu sehen bekommt, wird von Beate Uhse TV in Eigenregie produziert. In vorerst drei Stunden pro Monat wird es "Lust pur" geben, bei der zum Beispiel Conny (männlich, Nachname überflüssig) auf der Straße Menschen zum Strip verführt. "Intimes Deutschland" wird unter der teilnehmenden Beobachtung der ebenfalls nachnamenlosen Verona die deutschen Schlafzimmer aufsuchen. Und wem das zu lau ist, muss die zweite Jahreshälfte abwarten. Dann soll es weitere Formate geben.

Beate Uhse TV ersetzt den bisherigen separat zu abonnierenden Blue Channel und ist in Kirchs "Movie World" integriert, die etwa 95 Prozent aller 2,3 Millionen Premiere-Nutzer beziehen. Wieder einmal versucht Leo Kirch, mit Erotik die heiß begehrten, aber lustlosen Abonnenten zu locken.

Damit dem Jugendschutz Genüge getan wird und Filme "ab 18" schon ab 20 Uhr gesendet werden dürfen, gibt es zum Freischalten des Programms einen Pin-Code. Pornographie wird es trotzdem nicht geben. Beate Uhse TV darf ja kein illegaler Ersatz für die Videotheken sein, sondern soll lifestyle-orientierte erotische Unterhaltung liefern. Sagt zumindest Konzernchefin Beate Rotermund.

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