Medien : Beckham, die Pixel-Ikone

Kurt Sagatz

Es ist erstaunlich, wie sich die Reaktionen der Kollegen ähneln. Seitdem das schwarze Sagem- Fernsehhandy in der Redaktion eintraf, freue ich mich über die immer gleichen Verhaltensphasen. Die erste lässt sich am ehesten mit Mitleid beschreiben. Musst du jetzt etwa das nächste WM-Spiel der Deutschen auf diesem kleinen Mini-Bildschirm ansehen? Dann nehmen die Kollegen das Gerät selbst in die Hand, werfen einen genaueren Blick aufs Display. Nun folgt die Phase des Erstaunens: „Mensch, das ist ja ein richtig klares Bild, da kann man tatsächlich alles erkennen.“ Danach kommt mein Part, quasi die Phase drei, wenn ich sage: „Ja, im Kleinen sind die Dinger ganz groß“.

Tatsächlich entsteht da im Verborgenen etwas ganz Großes. Verborgen deshalb, weil Geräte mit DVB-H – so heißt einer von zwei konkurrierenden Standards für das Handy-TV – in den Telekom-Läden noch gar nicht zu kaufen sind. Zur WM läuft das neue Mobilfernsehen nur als Machbarkeitsstudie mit Promotionscharakter in Hamburg, Hannover, Berlin und München. Dass allerdings gerade das Runde, also der Ball, unbedingt in das kleine eckige Display des Handy-TV will, kann ich mir nicht vorstellen. Außer wenn Beckham oder Ballack, Ronaldinho oder Rooney in Großaufnahme zu sehen sind, sieht man dazu einfach zu wenig – zumal die 16:9-Ausstrahlung mit den schwarzen Balken das Bild nochmals verkleinert. Bereits ein Abseits zu erkennen wird zur unlösbaren Herausforderung. Sollte sich die WM auf der Torlinie entscheiden, schaut man auch 2006 besser in die Röhre als auf den Handybildschirm.

Für alles andere gilt das nicht: Es wird nicht lange dauern, bis man sich daran gewöhnt hat, während des Tages per Handy eine Nachrichtensendung in der ARD oder auf N24 und n-tv anzusehen. Auch ein paar Minuten „Julia – Wege zum Glück“ und erst recht die Musikclips von MTV passen prima zu diesem Radio mit Bild.

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