Medien : Beckmann, bitte zum Dopingtest

Markus Ehrenberg

Noch ein Tag, dann ist es vorbei. 16 Tage Olympia. 16 Tage kaum soziale Kontakte.16 Tage Fernsehen gucken. 16 Tage ARD, ZDF oder Eurosport. 16 Tage Steinbrecher, Poschmann, Delling & Co. 16 Tage Kritisieren, Medien-Schelte. 16 Tage – eher selten Lob.

Und? War’s am Ende wirklich so schlimm? Hat Deutschland die Sport-Moderatoren und Reporter, die es – seiner sportlichen Leistung nach – auch verdient? Klipp und klar gesagt: Ja. Zumindest 2004, zumindest beim ZDF. Die Interviews von Wolf-Dieter Poschmann – zu einseitig, weil Fragen und Antworten wenig miteinander zu tun hatten. Vielleicht hat das ZDF zu wenig gute Leute. Vielleicht macht Poschmann zu viel. Sportchef, Moderator, danach noch Leichtathletik-Experte im Stadion. Das kann nicht gut gehen.

Dann Michael Steinbrecher. Auch er: an ZDF-Tagen mindestens 12 Stunden im Einsatz. Erst Studio, dann Hockeystadion. Dauerpräsenz. Das freut T-Online, den Werbepartner. Frisch ist das dann aber alles nicht mehr. Die eine oder andere kritische Frage hätt’s schon sein können.Wie oft wollte Steinbrecher die Torschützin Anke Kühn nach dem Hockey-Finale eigentlich noch fragen, wie sie sich kurz vorm Abpfiff gefühlt hat?

Überhaupt, der Spielfeldrand. Immer gleich, wenn’s vorbei ist, dieses sinnlose Gefrage nach Gefühlen, Fülle und Leere im Kopf. Moderator hat keine Ideen, verschwitzter Athlet meistens keinen Nerv. Unser Vorschlag für die WM 2006: nach dem Abpfiff gleich ins Studio schalten, zu Monica Lierhaus. Eine souveräne Vorstellung der „Sportschau“-Moderatorin. Charmant und kompetent. Fußball-EM, Tour de France und Olympia wären aus deutscher Sicht halb so schön gewesen ohne die Lierhaus. Angenehm auch Leichtathletik-Stimme Gerd Rubenbauer und Moderator Michael Antwerpes, wobei man nie so genau wusste, ob Antwerpes nicht doch ZDF-Mann Rudi Cerne war. Oder umgekehrt. Die sehen sich so ähnlich. Kerner und Beckmann sehen sich nicht ähnlich, dafür aber ihre Formate. Im Schnitt 2,15 Millionen Zuschauer sahen die „ZDF Olympia Highlights“, „Beckmanns Olympia Nacht“ nur 1,7 Millionen. Immerhin: Franz Josef Wagner lobte Beckmanns Leistung überschwänglich, und tatsächlich war der so unermüdlich und so gut in Form, dass man den Talker eigentlich mal zum Doping-Test hätte schicken müssen. Alles halb so schlimm also im Fernseh-Olymp. In der Spitze neun Millionen Zuschauer, bei Hambüchens Reck-Kür oder Almsicks schwarzem Tag. Man muss nicht quotenhörig sein, um festzuhalten, dass man Olympia auch schlechter präsentieren kann.

Am Ende ist so eine Marathon-Veranstaltung eh’ eine Frage des Hormonspiegels. Nein, nicht die Doping-Rangliste. Auch der Hormonspiegel der Fernsehmenschen vor Ort war großen Schwankungen ausgesetzt. ZDF-Reporter René Hiepen, beim Boxen fürs Grobe zuständig, gingen am Donnerstag beim Quoten-Hit die Nerven durch. Vorm Hockey-Finale der Frauen hatte er den deutschen „Mädels tief in die Augen geschaut“. Und was hatte er da gesehen? Genau, „Begehren und Begierde“. Bevor man sich noch genau vorstellen konnte, wie das wohl aussieht, stöhnte schon Michael Steinbrecher und vertröstete seine Freundin auf Montagabend. Dann geht’s wieder ins Restaurant. Versprochen. Nur noch ein Tag.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben