Beckmann-Sendung über Whistleblower : Und täglich klappert die Talk-Show-Mühle

Wozu stellt man eine Talkrunde zusammen, in der sich alle Kandidaten im Grunde einig sind? Unser Autor weiß es auch nicht, konnte aus der Beckmann-Sendung zum Thema Whistleblowing aber trotzdem seine Erkenntnisse ziehen.

Ralf Streber
Glenn Greenwald bei Beckmann
Glenn Greenwald bei BeckmannScreenshot: Tsp

Dass die beiden großen Sender ARD und ZDF wegen des real existierenden Talkshow-Overkills unter der Hand schon längst neue Namen haben - ARD heißt eigentlich ATTÜ: Arbeitsgemeinschaft der totalen Talkshow-Überfütterung und ZDF heißt ZHVMLUMBI: Zentrale Heimstätte von Markus Lanz und Maybrit Illner – dieses Insider-Wissen könnte schon als eine erste, leichte Form von Whistleblowing bezeichnet werden.

Whistleblower sind Menschen, die Missstände und Skandale aus ihrem beruflichen Umfeld kennen und an die Öffentlichkeit bringen. Das ATTÜ und ZHVMLUMBI als öffentlich-rechtliche Labber-Anstalten wirklich schon Whistleblower nötig haben, ist natürlich mehr als nur unfairer Rufmord. Die beiden Sender könnten ja auch statt Sendungen, in denen geredet wird, den lieben langen Tag Sendungen zeigen, in denen gekocht und gequizt wird …. ähhhhhh Themenwechsel.

Also mal ganz ernsthaft, wir Fernsehzuschauer sind doch ganz scharf auf Talks, morgens, mittags und abends. Und nach gefühlten Ewigkeiten, während in den letzten Tage auf allen Kanälen eigentlich nur noch über die Rente und die Rente und die Rente gesprochen wurde, ist man ja schon richtig dankbar, wenn Reinhold Beckmann diese steinerne Talk-Mauer durchbricht und mal über etwas ganz anderes spricht. Warum nicht mal zur Abwechslung über Edward Snowden. Oder einfach um das Thema viel breiter aufzustellen über Edward Snowden und das Whistleblowing. Also alles zum Thema Whistleblowing. Dann noch einen Titel, der viel verspricht und wenig hält: Whistleblower – Skandale aufdecken, Missstände anprangern. Fertig ist ein neues Kapitel in der unendlichen Geschichte der unendlichen deutschen Talkshows.

Gäste bei Beckmann sind Glenn Greenwald, der US-Journalist, der Teile der Enthüllungen von Edward Snowden gedruckt hat, Brigitte Heinisch, eine  Pflegekraft, die Missstände in einem Berliner Altenheim öffentlich gemacht hatte, die forensische Psychiaterin Dr. Hanna Ziegert, die der bayerischen Justiz auf die Füße getreten ist und als Gutachterin für Gericht kaum noch Aufträge bekommt, das gute Gewissen Deutschlands Günter Wallraff und der Ex-Bundesinnenminister Gerhart Baum.

Schon durch die Gästeauswahl zeigt sich das große Problem dieser Sendung. Alle sind entweder für Whistleblower oder sind selbst Whistleblower. Keiner ist dagegen. Natürlich ist Whistleblowing eine gute Sache, aber wenn sich alle einig sind, warum muss man dann 75 Minuten darüber reden? In voller Übereinstimmung und gemeinsamer Einigkeit? Wenn es der sicher nicht kleinen Redaktion von Beckmann nicht gelingt, einen Gegenpart einzuladen, dann muss halt der Moderator ran und diese Aufgabe übernehmen. Aber abgesehen vom üblichen Moderatoren-Bashing, Beckmann ist alles andere als ein hochkritischer oder frischlebendiger Gesprächsleiter. Er ist die personifizierte Simulation eines Alles-Talkers, der liebe Onkel der gepflegten Unterhaltung, der sich mit gleichförmiger Meinung und in gleichförmigen Tonfall so durch die Talk-Themen talkt. Das hat so viele Geschmacksausreißer wie ein Teller Wassersuppe.

Seite 1 von 2Artikel auf einer Seite lesen

12 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben