Medien : Befangene Experten im US-TV

Pentagon lässt Offiziere den Irakkrieg „erklären“

Matthias B. Krause

Die E-Mail-Anfrage war vertraut und freundlich. „Bitte lass mich wissen, ob es besondere Punkte gibt, die ich ansprechen oder die ich herunterspielen soll“, schrieb Army-Oberst a. D. John Garrett an seine Freunde im Pentagon. Der Haken bei der Sache: Wenig später trat er als Militär-Analyst in einer Nachrichtensendung von „Fox News“ auf, um zu erklären, warum Präsident Bush mehr Truppen in den Irak schicken sollte. Fox ist nicht der einzige US-Sender, der sich sogenannter Experten bedient, ohne den Zuschauern zu erklären, dass die bevorzugt vom Pentagon mit Informationen gefüttert wurden. Wie die „New York Times“ enthüllte, traf sich der damalige Verteidigungsminister Rumsfeld regelmäßig mit ehemaligen Militärs zu Briefings. Die schwärmten dann aus, um Zuschauern auf allen Kanälen ihre „Expertenmeinung“ kundzutun. Viele sind gleichzeitig Lobbyisten für die Rüstungsindustrie, auch das verschwiegen die Sender.

Pentagon-Sprecher Bryan Whitman kann an der Informationspolitik seines ehemaligen Chefs nichts Verwerfliches finden: „Zu unterstellen, dass sie alle die Marionetten des Pentagon waren, ist beleidigend.“ Auch bei den Sendern herrscht wenig Unrechtsbewusstsein. Fox News-Redakteur Marty Ryan sagt, die Analysten würden nicht nur wegen ihrer Spezialkenntnisse geholt, sondern auch „als Leute, die Zugang zum Pentagon haben und wissen, was dort gedacht wird. Das macht sie für uns wertvoll“. So wertvoll, dass sie angemessen bezahlt werden, sind die Analysten den Sendern dann auch wieder nicht. Die meisten machen den Job, um ihren eigenen Bekannheitsgrad zu steigern, den sie dann als Berater in der Rüstungsindustrie in Heller und Pfenning umwandeln. Was jenen passiert, die die Meinung des Pentagon im TV nicht als ihre eigene ausgeben, erlebte Oberst a. D. Bill Cowan. Der sagte Fox News im August 2005, die Dinge liefen schlecht im Irak, das US-Militär sei darüber enttäuscht. „Plötzlich bekam ich keinen Anruf und keine E-Mails mehr“, sagte Cowan der „New York Times“, „sie haben mir einfach einen Tritt in den Hintern gegeben.“ Matthias B. Krause

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