Medien : Bei der ARD sitzen Sie – auf Völlers Schoß

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WENIGER SPIELE, MEHR EXPERTEN: DIE WM–PLÄNE VON ARD UND PREMIERE

Von Thomas Eckert

Die Fußball-Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea hat auch ihre Schattenseiten – jedenfalls, wenn man für die Öffentlich-Rechtlichen arbeitet. „Es ist unser größter Kummer“, sagte Jürgen Kellermeier, Programmdirektor des NDR, bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des WM-Programms der ARD, „dass wir zum ersten Mal bei einer WM nicht die Rechte an allen Spielen haben". Das Erste und das ZDF dürfen jeweils nur zwölf Partien übertragen. Erreicht die deutsche Mannschaft das Spiel um Platz 3, bekommt die ARD ein 13. Spiel dazu.

Aber dafür hat man sich ins Zeug gelegt wie selten zuvor. Allein neun Berichterstatterteams werden im weiten asiatischen Raum unterwegs sein, um jede Regung aus den Quartieren der anderen Mannschaften aufzunehmen und in die Heimat zu rapportieren. „Unser Ehrgeiz ist da“, sagte Peter Jensen, der verantwortliche Sportkoordinator der WM. Eine besondere Rolle soll die Berichterstattung aus dem deutschen Mannschaftshotel spielen. Deshalb habe man das Quartier „livefähig ausgestattet“, um Rudi und seinen Buben aber auch wirklich alles von den Lippen – oder von den Beinen – ablesen zu können. Die ARD hat ja dafür einen Spezialisten, dessen Kernkompetenz im Kumpeln mit Fußballern besteht: Waldemar Hartmann. Auf einem der beiden Trainingsplätze der deutschen Mannschaft wurden zudem drei Kameras aufgestellt. Hier trainiert Völlers Team nur für die Öffentlichkeit.

Lange habe man mit Rechteinhaber Kirch darum streiten müssen, einen Reporter aus dem Innenraum des Stadions berichten lassen zu dürfen, sagte Jensen. Aber am Ende wurde auch diese Hürde mit Bravour genommen. Als Kommentatoren haben sich die Sportchefs von MDR und WDR, Wilfried Mohren und Heribert Faßbender, gleich selbst aufgestellt. Die höchste Einschaltquote vermutet Jürgen Kellermeier bei der Partie Deutschland gegen Saudi-Arabien, die am 1. Juni um 13 Uhr 30 angepfiffen wird: Zwanzig und mehr Prozent Marktanteil sollen es sein. Wie das Spiel ausgeht, wusste der Programmdirektor auch schon: 4 : 1.

Frage eines Journalisten: für wen? Auch wenn der Kummer über die fehlenden Rechte groß ist, ein wenig Freude kam auch auf. Sat 1 werde an seinen abendlichen Zusammenfassungen keine Freude haben, sagte Kellermeier, „live schlägt alles".

Und so ist man bei der ARD am Ende auch wieder nicht ganz so traurig, wie es auf den ersten Blick aussehen könnte. Schließlich hat man ja auch noch das Radio. Von allen Spielen wird mehrfach live berichtet, sagte NDR-Hörfunk-Sportchef Alexander Bleick und freute sich darüber, dass Radio und Fernsehen zum ersten Mal gleichberechtigt sein werden. Und auch für das Radio gilt „Nichts geht über live".

Und was hatten die Herren Günter Netzer und Gerhard Delling zu sagen, die aus dem brandneuen WM-Studio in Hamburg-Lokstedt berichten werden? Sie freuen sich – auf die WM und aufeinander. Vier Woche lang werden die beiden Tag für Tag beieinander sein – und eine größere Freude hätte die ARD den beiden offenbar nicht machen können. Es wird also doch: eine schöne Weltmeisterschaft.

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