Medien : Beim Sport unterversorgt

Eine RBB-KRITIK von Lothar Heinke

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Wann flattern die Bälle, knattern Motoren, fliegen die Fäuste, rennen Läufer und überschlagen sich die Turner? Am Wochenende. Freitagabend beginnt’s. Sonnabends beleben sich Stadien, Plätze, Hallen und Emotionen. Tausende pilgern zu ihren Heroen, Seelen lachen und weinen. In der Hauptstadt. Und im Umland. Es ist richtig was los im Sendegebiet des RBB, und der Fan von Hertha und Union, von Energie, TeBe und Babelsberg möchte außer dem nackten Ergebnis so schnell wie möglich wissen, wie wo was zustande gekommen ist, Tore zum Beispiel, Schwalben und Elfmeter. Dazu guckt er in seinen sogenannten Heimatsender. Leider umsonst. Brav berichtet der ausführlicher über jedes Trallala-Fest als über den Sport am Wochenende. Der kommt trödelig am späten Sonntag, erst um 23 Uhr öffnet Silke Böschen ihren Schlafzimmerblick, von sportfeindlichen Programmmachern in die Nacht verschoben. Die RBB-Oberen mögen sich doch bitte die Sportsendungen der anderen deutschen Regionalsender zu Gemüte führen, dann erleben sie nämlich, was uns in Berlin und drumherum entgeht, wiewohl wir ebenso brave Gebührenzahler sind wie die Sportfreunde in Düsseldorf, Kiel, Leipzig, Dresden, München oder Mainz.

Zum Beispiel letztes Wochenende: Der MDR, geübt in seiner Ostalgiepflege, schickt uns 90 Minuten lang und ausführlich nicht nur die Spiele der regionalen Klubs wie Dresden, Erfurt, Magdeburg, Halle, Leipzig oder Jena ins Haus, sondern guckt auch nach Preußen (zu Union) und an die Küste (St. Pauli), füllt den Platz mit einem Feature zum 60. Geburtstag der Torwartlegende Jürgen Croy aus Zwickau, macht Rückblicke und Vorschauen und legt am Sonntagnachmittag mit 45 Minuten Sport nach. Im WDR taucht sonnabends um 16 Uhr 50 die blonde Okka Gundel zwischen all den Kickern der Regionalliga auf, im NDR haben sie die Zeit von 17 bis 18 Uhr den Spielern reserviert, und die Bayern können ab 16 Uhr 05 fast 90 Minuten Samstagssport gucken. Am Sonntagnachmittag und -abend setzt sich das fort, überall. Nur einer schläft – Dagmar Reims RBB. Der keucht als Letzter ins Ziel. Und ermüdet uns mit längst Bekanntem. Können sie nicht früher, oder wollen sie gar nicht besser werden? In den Staub mit allen (Sport-)Feinden Brandenburgs!

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