Medien : Bekenntnisse eines Bankräubers

Torsten Hampel

Mein Freund, der Mörder. Arte. 22 Uhr 30. Aus dem Strafantrag der Staatsanwaltschaft im Prozess gegen die Kimmel- Bande vom Oktober 1961: „Bis zu ihrer Festnahme sind die Bandenmitglieder wie ein Rudel reißender Wölfe fast Nacht für Nacht über die Pfalz hergefallen … Sie überlegten bald nicht mehr, wo sie einbrechen sollten, sondern wo sie noch nicht eingebrochen hatten.“

Die Kimmel-Bande: 187 erfasste Straftaten in den vier Jahren zuvor, davon 43 Panzerschrankdelikte. Größte Fahndung der Nachkriegszeit.

Bernhard Kimmel, Jahrgang 1936, der Bandenchef, kam 1970 wieder aus dem Gefängnis, der Filmemacher Peter Fleischmann traf ihn damals zum ersten Mal. Eine Freundschaft entstand und viel später ein Film: „Der Al Capone von der Pfalz“ (1987); eine Langzeitbeobachtung, kriminologisch und psychologisch wenig fundiert, die ihren Teil zur Legendenbildung beitrug. „Mein Freund, der Mörder“ nun macht sich genau das zum Thema: Kimmel und die Heiligenerzählung vom guten Räuber, wie er sie sich selbst zerstört hat und welche Einsichten daraus entstanden. Er hat Ende 1981 noch einmal einen Tresor ausrauben wollen, die Polizei kam dazu, Kimmel schoss und warf einen Sprengsatz, ein Polizist starb, einer ist seither gelähmt. Es geht um Schuld, Sühne, Freundschaft.

Kimmel schildert seine Erinnerungen, Fleischmann unterbricht den Redefluss mit Aufnahmen von früher. Gemeinsam besuchen sie die Tatorte, und der Mann, der fast die Hälfte seines Lebens im Gefängnis verbracht hat und nun nicht mehr weiß, wo er hingehört – in die „Gesellschaft“, die so lange nicht seine war, oder in seine Erinnerungen an die Zeit vor dem tödlichen Schuss – der Mann ist offenbar ehrlich, jedes Ausweichen, jede Ausrede werden mit einer Nachfrage bestraft. Und immer wieder: „Ich bin kein Mörder. Ich habe nie vorgehabt, einen Menschen zu töten.“ Dennoch ist einer durch seine Hand gestorben, ein anderer beinahe.

Kimmel hatte stets Waffen bei sich, automatische, halbautomatische – und kurz vor Weihnachten 1981 eine Pistole. Und es ist mitreißend, zu sehen, wie einer über folgende Erkenntnis nicht hinauskommt: Es ist nicht mehr zu ändern, für die beiden Polizisten nicht und auch nicht für mich. Es ist nicht mehr ungeschehen zu machen.

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