Belgischer Krimi "Coppers" auf ZDFneo : Die Schlagzeugerin

Eine neue belgische Krimiserie auf ZDFneo ist gewöhnungsbedürftig – und gut. Was vor allem an der geheimnisvollen Protagonistin liegt.

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Redet fast nur mit dem Vater. Liese Meerhout (Hilde De Baerdemaeker) trägt als Ermittlerin ein Geheimnis mit sich herum.
Redet fast nur mit dem Vater. Liese Meerhout (Hilde De Baerdemaeker) trägt als Ermittlerin ein Geheimnis mit sich herum.Foto: ZDF und Sofie Silbermann

Der Spartensender ZDFneo ist so etwas wie das Trüffelschwein des bundesdeutschen Fernsehens, was die Neuentdeckung fremdsprachiger hochwertiger Serien betrifft. Immer wieder geht dort an den Start, was sich der Mainzer Muttersender ZDF nicht traut, ins Hauptprogramm zu hieven. ZDFneo hat Steven Soderberghs unorthodoxe New Yorker Krankenhaus-Serie „The Knick“ mit Staffel zwei im Programm oder auch die im nordenglischen Manchester angesiedelte Krimi-Serie „No Offence“ mit einem forschen Damen-Trio im Ermittlerpart. Und nun „Coppers“, brandneu und belgisch.

„Coppers“ spielt im flämischen Antwerpen. Der fiktionale Handlungsort ist zugleich der reale. Von dieser neuen Cop-Serie, in Belgien selbst auch erst im Januar 2016 angelaufen, gibt es bislang die erste Staffel mit dreizehn Folgen.

Die Serie, basierend auf den Büchern von Krimiautor Toni Coppers, erzählt von der Leiterin der Antwerpener Mordkommission, Liese Meerhout (Hilde De Baerdemaeker), und ihrem Team, das aus drei Kollegen besteht: Michel Masson (Luk Wyns), Sofie Jacobs (Lotte Pinoy) und dem jungen Neuling Laurent Vandenbergh (Bert Verbeke). Der erste Fall, „Späte Rache“, führt das Team an den Containerhafen der Stadt. Immer wieder werden dort Menschen gefunden, die durch eine Plastiktüte erstickt worden sind. Neben ihnen platziert liegt stets eine Spielzeugpuppe.

Hauptfigur der Serie bleibt die verschlossene Liese Meerhout, deren Biografie von Folge zu Folge eine weitere Nuance erhält. Die große blonde Frau mit den herben Gesichtszügen und den hohen Stiefeln lässt niemanden an sich heran. Sie lebt in einem Haus am Waldrand, wo sie Schlagzeug spielt, und die einzige Bezugsperson, die sie überhaupt hat, scheint ihr Vater Paul Meerhout (Arnold Willems) zu sein. Wenn Lieses Smartphone während des Dienstes klingelt, und es hat nichts mit dem aktuellen Fall zu tun, dann ist es ihr Vater. Zu allen Menschen sonst geht Liese auf Distanz, auch zu ihren drei Kollegen. Ein lonesome Copgirl.

Eine Mail wie eine Drohung

Und, da ist noch etwas: Ab und an erhält sie private E-Mails, wenn sie sie auf ihrem Tablet öffnet, dann ist dort stets ein Foto angehängt, von einem jungen Mädchen. Und meist steht ein Halbsatz dabei, der beinahe wie eine Aufforderung klingt – oder wie eine Drohung, je nach Lesart. Dann versteinert Lieses Gesicht, und der Film geht in die Retrospektive, zeigt eine Kinderschaukel draußen in einem Garten. An der Stange hat sich ein junges Mädchen erhängt. Die Mädchenschaukel zieht sich leitmotivisch durch die Folgen. Es ist das Geheimnis, das die Ermittlerin Liese Meerhout mit sich herumschleppt. Bald schon wird sie wegen dieses Geheimnisses erpresst werden.

Interessant der psychedelische Elektrosound. „Coppers“ ist speziell. Durchaus gewöhnungsbedürftig. Und dann gut. Das ZDFneo-Trüffelschwein ist wieder fündig gefunden.

„Coppers“, ZDFneo, mittwochs, 23 Uhr 10

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