Medien : Bella Blau

Prost, „Blackout“: eine vergnügliche und schwer verkaterte Mörderjagd mit Hannelore Hoger

Thomas Gehringer

Die Gedichte des prominenten Autoren Marc Holthausen (Filip Peeters) waren es sicher nicht, die Bella Block besoffen gemacht haben. Dass sie zu tief ins Weinglas geschaut hat, ist so ziemlich das Einzige, was der Kommissarin von dem Abend beim Kulturmäzen Bodo Frings (André Hennicke) in Erinnerung geblieben ist. Nun sitzt sie verkatert irgendwo im Wald und gräbt vergeblich in ihrem Gedächtnis. Im Mantel findet sie das Haarband von Tanja, einer jungen Frau, die sie bei Frings kennengelernt hatte. Bella Blocks Handtasche wiederum findet die Polizei in Tanjas demoliertem Auto – neben deren Leiche. Hat Bella Block Tanja im Stich gelassen? Hat sie den Unfall verursacht? Hat sie einen Menschen auf dem Gewissen?

Die sonst so überlegen, zuweilen auch überheblich auftretende Hamburger Kommissarin kommt in „Blackout“ auf ziemlich wackligen Beinen daher. Und das liegt nicht nur am Restalkohol im Blut und der Leiche im Auto. Ihr Lebensgefährte, Literaturdozent Simon Abendroth (Rudolf Kowalski), hatte ihr kurz vor dem verhängnisvollen Abend mitgeteilt, er wolle aus beruflichen Gründen ein Jahr in die USA wechseln. Das nicht gerade kleine Ego der Block ist angekratzt, und wie sie darum ringt, die Kontrolle in der beruflich verzwickten Situation zurückzugewinnen, das ist dank einer Hannelore Hoger in Höchstform allemal sehenswert.

Bereits vor 14 Jahren hatte Max Färberböck die ersten Bella-Block-Krimis inszeniert und das nicht zu Unrecht erworbene hohe Ansehen der Reihe ermöglicht es bis heute, immer wieder namhafte Kräfte einzuspannen: Nach zuletzt Hans Steinbichler („Mord unterm Kreuz“) wurde Rainer Kaufmann für „Blackout“ als Regisseur gewonnen. Kaufmann ist nicht unbedingt ein Krimi-Experte. Er feierte in den Neunzigern mit der Komödie „Stadtgespräch“ und der Groteske „Die Apothekerin“ Kino-Erfolge. Eindrucksvoller sind seine jüngsten Fernseharbeiten, etwa „Marias letzte Reise“. Auch bei „Bella Block“ arbeitete er wieder mit Kameramann Klaus Eichhammer zusammen – ein Glücksfall. Wie sich die Kamera anfangs durch die Literaturparty bewegt, ragt über die Fernsehkonvention weit hinaus.

Besonders erfreulich ist, dass man Johanna Wokalek (Grimme-Preis für „Hierankl“) gleich in zwei Rollen sehen kann. Die 31-jährige Wiener Burgschauspielerin gibt die Schwestern Tanja und Saskia, eineiige Zwillinge und doch extrem gegensätzliche Typen: die eine als scheue Germanistikstudentin, die andere extrovertiert und chaotisch. Das innere Verhältnis der Zwillinge erweist sich als Schlüssel zum Fall. Denn statt der eigentlich eingeladenen Tanja war die lebenslustige Saskia zu dem Literaturabend gegangen und hatte sich dort als ihre Schwester ausgegeben. Kunstvoll wird der Abend in zahlreichen Rückblenden rekonstruiert. Alle Gedächtnislücken kann Bella Block bis zum Ende nicht füllen, aber es reicht doch, den Fall zu lösen – und mit Simon im Bettengeschäft eine neue Matratze auszuprobieren.

„Bella Block: Blackout“; 20 Uhr 15, ZDF

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