Medien : Ben und Linda

„So schnell Du kannst“: Eine berührende Liebesgeschichte

Thilo Wydra

Linda ist in den Zwanzigern, sie ist attraktiv, fragil und von einer fremden Anmut. Wie ein ätherisches Wesen geht sie durch die Straßen, zieht die Menschen an und stößt sie zugleich ab. Nein, Linda (Nicolette Krebitz) spielt nicht mit dem Leben. Vielleicht ist es eher so, dass das Leben mit ihr spielt. Linda ist krank, manisch-depressiv. Irgendwann begegnen sie sich plötzlich, Linda und Ben (Lucas Gregorowicz). Er war als Tennis-Profi mal auf dem Weg in die Top 100, bis eine Verletzung dazwischen kam. Seitdem verkauft er Luxus-Autos und hütet hin und wieder seinen siebenjährigen Sohn Joe. Mit Linda verändert sich Bens Leben völlig. Sie verlieben sich ineinander, schweben. Als Linda wie vom Erdboden verschluckt wird, da reißt es Ben den Boden unter den Füßen weg.

Einmal, da bedient Ben wieder gelangweilt einen Kunden, bis er auf der anderen Straßenseite Linda entdeckt. Eine Zeitlang, da schaut er immer nur kurz rüber und ist weiter beim Kunden. Dann kann er nicht mehr, rennt ’rüber durch den Regen, und sie küssen sich, so, als ob es das allererste Mal wäre und alles Davor und alles Danach nicht zählt. Und er sagt ihr, wie scheißegal es ihm sei, ob sie nun krank sei oder nicht. Und sie möchte diese „blöde Panzerglasscheibe zwischen sich und der Welt nicht mehr haben".

In solch intensiven Szenen ist der neue Film der Münchner Regisseurin Vivian Naefe („Einer geht noch", „Frauen lügen besser") am glaubhaftesten. In jenen Momenten, in denen er sich mutig zum Drama bekennt, ohne zu dramatisieren. Das Drehbuch, das Naefe zusammen mit Harald Göckeritz verfasste, ist voller guter Dialoge, stringent angelegt und kommt fast ohne Pathos und Bemühtheit aus. „So schnell Du kannst" ist seit langem schon fertig, doch das ZDF traute sich anscheinend nicht, ihn zu senden. Zu wenig quotenträchtig schien diese Geschichte einer schwierigen Liebe. Nun haben die Mainzer die Erstausstrahlung ins Sommerloch gepackt. Das hat der Film nicht verdient. Vielleicht regnet es ja.

„So schnell Du kannst": ZDF, 20 Uhr 15

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