Medien : Bergetappe und Baedeker

Die Tour de France 2004 bei ARD und ZDF will Sport und Kultur bieten

Joachim Huber

Das passt doch. Lance Armstrong fährt Rad bei der Tour de France, und Sheryl Crow singt dazu. Die beiden sind ein Paar, da kommt es gut, wenn die neunmalige „Grammy“-Gewinnerin für den fünfmaligen Tour-Sieger den Song „Light in Your Eyes“ schmachtet. Ungewiss ist nur, ob Armstrong Zeit für das Lied seiner Freundin hat, denn der US-Amerikaner muss ja seinen historischen, seinen sechsten Sieg einfahren.

„Light in Your Eyes“ ist der offizielle Toursong des ZDF und wird am Ende einer jeden Übertragung im Zweiten gespielt. Die „Tour de France“ ist Sport und schon längst nicht mehr nur Sport. Sie ist ein Event: Der größte Freiluftzirkus startet sein Programm am 3. Juli mit dem Prolog in Lüttich und endet 20 Etappen später am 25. Juli in Paris. ARD und ZDF wechseln in der Berichterstattung von Tag zu Tag ab, das Produktionsteam wird von den Sendern gemeinsam genutzt. Wenn nötig, steigt ein Hubschrauber auf, um die Athleten ins Bild zu nehmen.

Bei der Tour 2003 garantierte der Zweikampf zwischen Armstrong und Jan Ullrich hervorragende Quoten. Als der Deutsche in die Balustraden krachte, stöhnten in Deutschland 9,1 Millionen Fernsehzuschauer auf, den Zweikampf mit Lance Armstrong in den Pyrenäen verfolgten 8,1 Millionen im Sessel und auf dem Hometrainer. Kein Tag verging, an dem nicht wenigstens drei Millionen zuschauten. Für die öffentlich-rechtlichen Sender waren die stundenlang über den Tag gezogenen Übertragungen ein wahrer Segen. Endlich einmal war ein Programm zu diesen Sendezeiten mit RTL & Co. konkurrenzfähig. Am Ende waren 125 Stunden gesendet, weniger sollen es 2004 nicht werden.

Es gibt ganz viel Beiwerk und ganz viel Sport, besonders an den dramatischen Tagen mit Etappen wie L’Alpe d’Huez; dann wird nicht um 13 Uhr (ARD) oder 14 Uhr (ZDF) für die letzten 120 Kilometer einer Etappe aufgeschaltet, sondern morgens um zehn Uhr (Eurosport überträgt noch länger je Tour-Tag). Die ARD hat mit Hagen Boßdorf und Herbert Watterott profunde Kommentatoren an der Strecke, die Live-Reporter beim Zweiten heißen Peter Leissl und Michael Pfeffer. Wer wissen will, wie groß die Anstrengung ist, wenn es am 21. Juli von Bourg d’Oisans nach L’Alpe d’Huez über 15,5 Kilometer und 7,9 Prozent Anstieg geht, für den hat das ZDF ein eigenes Bergteam zusammengestellt: Der Skilangläufer Jochen Behle, die alpinen Skifahrer Hilde Gerg und Stephan Eberharter quälen sich stellvertretend für den Zuschauer den Berg hinauf.

Vor, während, nach dem Rennen entfaltet sich die ganze Wucht der üppigen Teams von ARD und ZDF, schließlich soll das Fernsehpublikum mehr von Frankreich, von der Tour und von den Fahrern kennen lernen. Zum Beispiel die ARD: Mit den Experten Rudi Altig und Marcel Wüst und jeder Menge technischer Tricks und Grafiken wird Moderatorin Monica Lierhaus Verlauf und Ausgang einer Etappe und die Taktik der Teams analysieren. Dass das Erste dabei mehr Nähe als Distanz zum Geschehen üben wird, zeigt die Verpflichtung von Rudy Pevenage, dem sportlichen Berater von Jan Ullrich, sowie das fortgesetzte Sponsoring des T-Mobile-Teams. Immerhin, der beim Hessischen Rundfunk wegen undurchsichtiger Finanzjonglagen als Sportchef abgesetzte Jürgen Emig fehlt diesmal. Ein Schaden ist das nicht, das kritische Nachfragen bei Doping war seine Sache nicht.

ARD-Programmchefin Gabriele Bohr hat für die Orientierung und die Unterhaltung des Publikums feste Rubriken im Ablauf eingebaut: „TourRetour“ erzählt Geschichten von der 1903 erstmals gestarteten Tour de France, „TourKultur“ schwärmt vom Nachbarland zwischen Ziegenkäse und den schwimmenden Gärten von Amiens, „TourPorträt“ bringt die Hauptdarsteller in Nahaufnahme, bei „TourToujours“ ist Florian Naß den täglichen Helfern des Spektakels auf der Spur. Es darf einfach nicht langweilig werden.

Tour de France, Prolog in Lüttich, Samstag, 3. Juli, ZDF, 17 Uhr 05

Wer im Internet mitstrampeln will: www.tour.ARD.de und www.zdf.de tun. Auch im Videotext der Sender gibt es Informationen.

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