Medien : "Bericht aus Berlin": Sendung gut, Platz falsch

Herr Deppendorf[der "Bericht aus Berlin" wird heu]

Ulrich Deppendorf, 51, leitet und moderiert den "Bericht aus Berlin". Die wöchentliche Sendung am Freitagabend möchte die neuesten und wichtigsten Informationen aus Parlament, Regierung und Parteien liefern.

Herr Deppendorf, der "Bericht aus Berlin" wird heute zum 100. Mal ausgestrahlt. Würden Sie dem Urteil zustimmen, dass dieser "Bericht" die ruhigste, unaufgeregteste Sendung dieses Genres ist? Politik wird vermittelt als kontemplative Veranstaltung, und Deppendorf agiert als "Sandmann" für die Politiker, denen am Freitagabend Traumsand in die Augen gestreut wird.

Da muss der Medienredakteur des Tagesspiegel eine andere Sendung meinen. Der "Bericht aus Berlin" ist weder ruhig noch unaufgeregt. Er ist engagiert, beispielsweise bei der Berichterstattung über die Zwangsarbeiter-Entschädigung, er ist investigativ, zum Beispiel in der CDU-Parteispendenaffäre, und er greift Themen besonders frühzeitig auf - wie etwa bei den Fragen der Gentechnologie. Auch die eingesetzten journalistischen Stilmittel sind vielfältiger als in vergleichbaren Sendungen. Die Hauptstadt selbst kommt mit Beiträgen auch jenseits der großen Politik im "Bericht aus Berlin" nicht zu kurz. Der "Bericht aus Berlin" hat seine feste Zielgruppe. Und die Beiträge und Gespräche unserer Sendung am Freitag sind häufig der Grundstein für weitere Entwicklungen dieser Themen am Wochenende.

Die ZDF-Konkurrenz "Berlin direkt" am Sonntag läuft aber besser. Ist das nur eine Folge des Sendeplatzes?

Der Freitagabend ist in den letzten Jahren zu einem sehr schwierigen Sendeplatz für politische Berichterstattung geworden. Nachteilig ist auch, dass der "Bericht aus Berlin" keinen festen Sendebeginn hat. Da hoffen wir auf Besserung, und zwar noch in diesem Jahr. Ich bin überzeugt: Das Konzept unserer Sendung ist richtig.

Das Erste Programm ist gespickt mit "Tagesschau", "Tagesthemen", Magazinen, die randvoll sind mit politischen Nachrichten. Warum braucht es da noch einen "Bericht aus Berlin"?

Weil wir politische Themen auf spannende Art und Weise mit noch mehr Hintergrundberichten darstellen können und müssen. Weil politische Prozesse noch transparenter gemacht werden können, und weil wir zum Beispiel mit eigenen Reportagen noch näher an die von politischen Entscheidungen Betroffenen - also die Bürger - herangehen können.

Nach der 100. Sendung kommt vielleicht irgendwann auch einmal der 1000. "Bericht aus Berlin".

Was wollen Sie bis dahin anders machen, können Sie sich überhaupt vorstellen, noch etwas zu verbessern?

Lassen Sie sich überraschen.

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