Medien : Berlin sieht ab Herbst digital

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In Großbritannien war der Schock groß, als das digitale Fernsehen ITV-Digital in Konkurs ging. Damit war klar, dass die ehrgeizigen Träume der britischen Regierung eines flächendeckenden terrestrischen Digitalfernsehens gescheitert sind. Die Vorteile, die die neue Technik versprach, konnte sie nicht halten. So standen der versprochenen hohen Bildqualität lästige, ungewollte Standbilder gegenüber - so genannte „Freeze-Bilder“. Aufgrund der geringen Sendeleistung konnten auch nur wenige Haushalte die digitalen Kanäle empfangen. Die ausbleibende Publikumsresonanz führte geradewegs in die ITV-Pleite.

In Deutschland träumt man unterdessen den digitalen Traum weiter. Bis 2010 spätestens soll bundesweit das neue digitale terrestrische Fernsehen (Digital Video Broadcast - Terrrestrian, kurz DVB-T) die analogen Kanäle ersetzt haben. Berlin leistet hier Pionierarbeit. Im Herbst startet der erste digitale Kanal, und spätestens im Sommer nächstes Jahr soll die klassische analoge Fernsehversorgung komplett digitalisiert sein. Dabei will man die Fehler aus England nicht wiederholen. „Wir konzentrieren uns im Pilotbetrieb nur auf den Großraum Berlin“, sagt Uwe Haaß, der Projektkoordinator DVB-T bei der Gesellschaft zur Förderung der Rundfunkversorgung mbH (GARV GmbH). Dadurch könne man mehr Sendeleistung bereitstellen und so für alle bislang analogen Haushalte eine ausreichend gute Empfangsqualität garantieren. So soll es auch nicht zu den gefürchteten „Freeze-Bildern“ kommen.

Ein weiterer wichtiger Unterschied zwischen dem gescheiterten britischen ITV Digital und dem deutschen DVB-T ist der Preis, den der Zuschauer dafür bezahlt. „Wir bieten kein Pay-TV an, sondern starten gleich als Free-TV“, so Haaß. Obwohl in England anders als in Deutschland Pay-TV sehr gut läuft, hätte ITV-Digital als frei empfangbares TV-Angebot auch auf der Insel besser laufen können. Laut Haaß haben sich die Decoder für Free-TV gut verkauft, nur seien zu wenige Programme angeboten worden.

In Berlin wird es dank der höheren Kapazität digitaler Kanäle mehr Programme geben. „Wir können pro Kanal mit der digitalen Technik vier Progamme ausstrahlen“, erklärt Uwe Haaß. Auf analogem Weg war nur ein Programm pro Kanal möglich. Ab Anfang 2003 werden die ersten DVB-T-Känale mit den Programmen von RTL, Pro 7, Sat 1 und RTL 2 bespielt. Die analoge Antennen-Verbreitung dieser Sender wird eingestellt. Wer die dann noch sehen will, muss auf das digitale Fernsehen umsatteln. Ob er will oder nicht. Sebastian drews

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