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"Berliner Kurier": Buschheuer muss gehen : MDS trennt sich von Chefredakteur

Die Mediengruppe Berliner Verlag hat den Chefredakteur des „Berliner Kurier“, Hans-Peter Buschheuer, wegen unterschiedlicher Auffassungen zur Weiterentwicklung der Marke mit sofortiger Wirkung freigestellt.

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Hans-Peter Buschheuer
Hans-Peter BuschheuerFoto: dpa

Sein bisheriger Stellvertreter Elmar Jehn, 52, wird kommissarisch zum neuen Chefredakteur berufen. Das teilte die Mediengruppe M. DuMont Schauberg am Montag mit.

Jehn war seit 2010 bereits Stellvertreter des Chefredakteurs. Er wird den „Berliner Kurier“ zusammen mit dem bisherigen stellvertretenden Chefredakteur Jan Schmidt, 50, und Martin Geiger (49, als Art Director Mitglied der Chefredaktion) führen. Schmidt ist seit 1997 beim „Berliner Kurier“. Geiger ist dort mit einer kurzen Unterbrechung seit 2003 als Art Director tätig.

Am Freitag hatte das „Handelsblatt“ von Differenzen zwischen dem 62-Jährigen Chefredakteur und der Zentrale in Köln berichtet. So soll Buschheuer einer Ausgründung seiner Redaktion in eine Berliner Kurier GmbH gegenüber der Verlagsleitung widersprochen haben, nachdem er die Sache zunächst noch mit getragen haben soll, wie am Montag branchenintern zu hören war. Mit der Ausgründung sollten Sparmaßnahmen von 125 000 Euro pro Jahr erzielt werden. Offiziell wird das nicht bestätigt. Tatsächlich ging es bei dem Streit nicht um Konzepte der Zukunft, meldet wiederum horizont.net, sondern um die Finanzen von heute. Buschheuer hätte die neuerliche Kürzung seines Honoraretats in sechsstelliger Größenordnung nicht hinnehmen wollen, er sah seine journalistische Handlungsfähigkeit auf dem umkämpften Berliner Zeitungsmarkt durch den Sparkurs der Eigentümer bedroht.

Der Journalistenverband Berlin-Brandenburg (JVBB) nannte die Freistellung des renommierten Blattmachers ein „fatales Signal“. Buschheuer habe bei der Verlagsleitung der Ausgründung des Blattes in eine eigene Gesellschaft widersprochen und sich damit für die Interessen der Belegschaft eingesetzt, erklärte Verbandschef Alexander Fritsch. Das Blatt erscheint seit 1. März nicht mehr gemeinsam mit der „Berliner Zeitung“ bei der DuMont-Schauburg-Tochter Berliner Verlag, sondern in der neuen Berliner Kurier GmbH. Laut Journalistenverband gibt es in der Belegschaft deshalb Befürchtungen, der Berliner Verlag müsse für künftige Verluste seiner neuen Tochtergesellschaft nicht mehr aufkommen.

„Wir sind davon überzeugt, dass es Elmar Jehn und seinem Team gelingt, ein überzeugendes Zukunftskonzept umzusetzen, in dem das Digitale eine sehr prominente Rolle einnehmen wird“, so Robert von Heusinger, Vorstand der Mediengruppe M. DuMont Schauberg.

Der „Berliner Kurier“ weist laut IVW im Quartal 4/2014 (Montag bis Samstag/Sonntag) 92 848 verkaufte Exemplare auf, ein Rückgang von 6,54 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

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