Medien : Berliner Radiosender: Die Stadt hat zwei Gewinner

Erik Heier

Jetzt wird wieder gerechnet. Wie stets, wenn die aktuelle Media-Analyse (MA) detaillierte Auskunft über die Reichweiten der Radiosender gibt, schlägt die Stunde der Erbsenzähler. Und die der Interpretations-Virtuosen. Bei 94,3 r.s.2 eine vergnügliche Arbeit: Zum dritten Mal in Folge behauptet der Berliner Privatsender sowohl in Berlin als auch in Brandenburg den Platz an der Sonne - zur eigenen Verblüffung legte r.s.2 sowohl in Berlin (+ 8000) als auch in Brandenburg (+ 6000) noch einmal zu.

Leicht getrübt wird die Freude durch den Zuwachs beim Konkurrenten 104.6 RTL, der in Berlin 11 000 Hörer hinzugewann. In der Haupstadt liegen damit 94,3 r.s.2 und 104.6 RTL gleichauf. Im Bundesgebiet dagegen hält BB Radio mit 200 000 Hörern Platz 2. Schmerzen dürften freilich die 7000 verlorenen Hörer in Brandenburg.

Der große MA-Verlierer heißt Berliner Rundfunk 91!4. Mit einem Verlust von 37 000 Hörern fiel der einstige Marktführer bundesweit von Platz 4 auf 5 zurück. Der neue Geschäftsführer Detlef Noormann blickt angesichts des Desasters einer um ein Viertel geschrumpften Hörerschaft lieber gleich nach vorn. Da kommen die ab kommenden Montag geänderte Musikfarbe und die neue Morgen- und Nachmittagsschiene gerade recht, um "die Ärmel hochzukrempeln", wie Noormann sagt. Beim ebenfalls gebeutelten 105,5 Spreeradio zeigt man sich von 23 000 abgewanderten Hörern nicht überrascht und rechnet schon bei der nächsten MA mit Zuwächsen. Grafik: Wieviele Hörer in der Durchschnittsstunde? Der ORB freut sich über den Zuwachs für Antenne Brandenburg, die mit 15 000 Hörern mehr die Verluste der vergangenen MA wieder wettmacht und in der Region als bester öffentlich-rechtlicher Sender auf Platz vier vorrückt. Auch Jugendradio Fritz und das Sorgenkind Radio Eins bleiben stabil, allerdings wie schon im Frühjahr mit gegensätzlichen Trends: Fritz verlor nach 11 000 Hörern bei der Frühjahrsanalyse diesmal erneut 1000 Hörer, Radio Eins gewann nach 2000 Hörern im Frühjahr nun weitere 3000 hinzu. Und der SFB ist zufrieden, dass 88acht einen bundesweiten Zuwachs von 8,2 Prozent erzielte und in Berlin auf Platz 3 vorstieß.

Mit dem höchsten prozentualen Zuwachs bundesweit ist Radio Paradiso gesegnet. 18,2 Prozent Hörer mehr schalteten den christlichen Sender ein - für Geschäftsführer Matthias Gülzow "ein paradiesisches Ergebnis". Ansonsten hat sich bei den Spartenradios wenig getan. Rausgefallen ist FAZ 93,6 Das Business-Radio, das erst im November und damit nach der Herbst-Umfrage der MA auf Sendung kam, bei der letzten MA aber noch mit den Daten des Vorgängers Berlin Aktuell gelistet wurde.

Bundesweit büßten die 185 Privatradios - im Vergleich zur Frühjahrs-MA - zusammen fast eine halbe Million Hörer ein. Alle 60 öffentlich-rechtlichen Hörfunk-Programme konnten 23 0000 Hörer hinzugewinnen. Bei den werbungtreibenden Sendern liegen jedoch die Privaten mit 10 Millionen Hörern trotz leichten Verlusten vor den Öffentlich-Rechtlichen mit Werbung (8,89 Millionen). Pro Tag werden in Deutschland durchschnittlich konstante 203 Minuten Radio gehört.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben