Medien : Berliner Rundfunk 91!4: Widerspruch gegen Media-Analyse

Ulrike Simon

Das schlechte Ergebnis der Media-Analyse (MA) von vergangenem Mittwoch steckt den Machern des Berliner Rundfunks 91!4 noch in den Knochen. Bundesweit verlor der Sender 37 000 Hörer pro Stunde, in Berlin selbst 28 000. Die Folgen sind klar: Wenn die Hörerschaft um ein Viertel schrumpft, muss der Berliner Rundfunk auch die Preise für Werbespots senken. Mitte September muss den Werbekunden die neue Preisliste für 2002 vorliegen, zuvor müssen die Preise mit den anderen Radiosendern, die sich zu einer Werbekombi zusammengeschlossen haben, ausgehandelt werden. Uwe Walnsch, Marketingchef des Berliner Rundfunks, geht davon aus, dass der Preis für einen Spot bei seinem Sender um gut 20 Prozent sinkt, entsprechend sinken die Einnahmen des Berliner Rundfunks. Kein guter Start für Detlef Noormann, der am heutigen Montag seinen ersten Arbeitstag als Geschäftsführer hat und beschwörend vom "Ärmel hochkrempeln", "dem Blick nach vorn" und den "treuen, langjährigen Werbekunden" spricht.

Doch so schnell will der Sender die schlechten MA-Ergebnisse nicht runterschlucken. Am heutigen Montag will Uwe Walnsch der Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse einen Brief schicken und sie bitten, die Ergebnisse nochmals zu überprüfen. Ihm seien einige Ungereimtheiten aufgefallen, sagte Walnsch am Sonntag. Zum Beispiel ein unerklärlicher sechsstelliger Hörerzuwachs am Sonntagmorgen und -abend, und das, obgleich am Programm nichts geändert wurde. Außerdem hätte die hauseigene Marktforschung ähnlich wie die Forschungsabteilungen der Konkurrenzsender zwar für den Berliner Rundfunk Verluste signalisiert, aber bei weitem nicht in diesem Ausmaß.

Vielleicht wird dem Berliner Rundfunk bei der nächsten Media-Analyse ja das neue Programm helfen. Schon in der zweiten Septemberwoche werden die Befragungen für die nächste MA stattfinden. Lange vor den aktuellen MA-Ergebnissen und lange bevor feststand, dass Noormann die Geschäftsführung übernimmt, hat sich der Sender eine neue Musikfarbe überlegt. Künftig wird es beim Berliner Rundfunk nicht mehr nur "Classic-Hits der 60er und 70er und die besten Mega-Hits aller Zeiten" geben, wie der Slogan versprach. Das Musikprogramm hatte bislang vor allem jene glücklich gemacht, die am liebsten irgendwann in den 70ern die Zeit angehalten hätten. Entsprechend beschreibt Programmchefin Antje Schmidt ihre Hörer als konservativ, zwischen 35 und 45 Jahre alt, mit viel Sinn für Familie. Das soll zwar auch in Zukunft so sein, aber statt nur die "Classic-Hits" - Lieder aus den guten alten Zeiten - zu spielen, wird es künftig auch "vom Neuen das Beste geben" - und damit Melodiöses aus der Neuzeit. Die Wiederholungsrate wird bei künftig 2000 Titeln gering sein - Schmidt spricht von ihrem Sender als dem, der dann bundesweit das breiteste Musikangebot spielt. Damit hofft sie bei der MA im März, in Berlin wieder auf Platz drei vorzurücken. Deutliche Verbesserungen soll die übernächste MA bringen.

Für mehr Showcharakter wird ab heute Gerlinde Jänicke mit der Morgenshow "Gerlinde am Morgen" sorgen. Als "Berliner Göre" soll sie zum Aushängeschild des Senders werden. Beim Motto "Lach Dich wach" wird sie unterstützt von Oliver Schnabel (zuvor BB Radio) und Lars Lempe. Stefanie Schweda, die bislang die Morgenshow moderierte, tauscht mit Gerlinde Jänicke den Sendeplatz und wird die Hörer ab sofort in den Feierabend begleiten.

Ansonsten soll sich beim Berliner Rundfunk unter dem neuen Geschäftsführer nichts ändern. Mittelfristig müsse man sich jedoch Gedanken machen, wie die Berliner Sender kooperieren könnten, sagt er. Etwa bei der Vermarktung oder der Zulieferung von Nachrichten. Von einer "Senderfamilie" zu reden, wie es Noormanns Vorgänger Helmut G. Bauer tat, liege ihm jedoch fern.

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