Medien : „Berliner“ & „Bild“ Gott & Herz

Norbert Thomma

Josef Depenbrock ist der neue Chefredakteur der „Berliner Zeitung“, und er ist nicht sehr beliebt in der Belegschaft. Das liegt daran, dass er (sehr kurz gefasst) mehr ist als nur Redakteur und finanziell profitiert, wenn Stellen gestrichen werden. Nun hat er einen Leitartikel zur WM geschrieben, der (kurz gefasst) merkwürdig war und mit Anekdotischem aus der Fußballwelt jonglierte, etwa, man solle etwas nicht „hochsterilisieren“, eine Formulierung, die Depenbrock Stan Libuda zuschrieb (tatsächlich heißt es sprichwörtlich: „An Gott kommt keiner vorbei, außer Libuda“), deren Urheberrecht jedoch bei Bruno Labbadia liegt. Kein Problem, solche Verwechslungen können vorkommen, wenn es sich um vokalreiche Namen handelt, die mit L beginnen und mit einem A enden. Die Libudageschichte, übrigens, soll so entstanden sein: In Gelsenkirchen hing das Plakat („An Gott...“) einer Religionsgemeinschaft, und ein Fan von Schalke kritzelte darunter: „außer Libuda.“

Als PS eine kleine Erinnerung an die Kollegen: Für Journalisten sind Witze mit Nachnamen verboten!

Franz Josef Wagner ist der alte „Bild“-Kolumnist, und als solcher schreibt er Briefe an Gott und die Weltlichen. Einer der Weltlichen war Jürgen Klinsmann, und der Kolumnist fragte sich, „wohin Ihr Herz schlägt“. Herz, wo schlägst du hin? Er könnte zumindest wissen, wo das Herz schlägt, nämlich links – so stand es lange unter Wagners Kolumne in der Kolumne von Oskar Lafontaine. Auch ich weiß nicht, wohin Klinsmanns Herz schlägt; ich könnte höchstens verraten, woher Wagners Leber zwickt und wonach seine Lunge hustet, aber ich behalt’s für mich. Champagnerlaunig kolumnierte er auch: „Wie schön muß es heute sein, auf Trinidad & Tobago in einer Blechhütte zu leben.“ Weil jeden Abend in der Paris-Bar zu saufen halt auf Dauer doch langweiliger ist als ein Tänzchen in karibischer Armut?

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