Berliner Verlag : Montgomery vor dem Aus

Investor Mecom will Berliner Verlag verkaufen – DuMont Schauberg signalisiert Interesse.

Die britische Mediengruppe Mecom will nach einem Medienbericht den Berliner Verlag verkaufen. Interessiert sei der Kölner Verlag M. DuMont Schauberg, berichtete der Branchendienst „kress“ am Freitag. Im Berliner Verlag erscheint unter anderem die „Berliner Zeitung“, bei DuMont Schauberg unter anderem der „Kölner Stadt-Anzeiger“. Die Kölner hatten zudem die angeschlagene „Frankfurter Rundschau“ („FR“) übernommen. DuMont Schauberg strebt laut „kress“ eine weitreichende Fusion der „FR“ mit der „Berliner Zeitung“ an. „FR"-Chefredakteur Uwe Vorkötter war einst Chefredakteur bei der „Berliner Zeitung“ und verließ das Blatt wegen des neuen Sparkurses von Mecom-Chef David Montgomery. Ebenfalls interessiert am Verlagsgeschäft der deutschen Mecom-Holding soll die WAZ-Gruppe aus Essen sein, bei der unter anderem die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ erscheint.

David Montgomery und sein Zeitungskonzern stehen damit offenbar am Abgrund. Der Medieninvestor ist hoch verschuldet, die versprochene Rendite von 20 bis 25 Prozent hat seine Holding laut „Financial Times Deutschland“ nicht erreicht. Jetzt erhöhen die Gläubiger massiv den Druck: Sie setzen dem Ex-Chef der „Mirror“-Group eine angeblich letzte Frist. Schuldet Montgomery sich bis Ende Februar nicht um, droht seinem Medienimperium die Zerschlagung. Insgesamt 587 Millionen britische Pfund soll Montgomery seinen Gläubigern schulden. Eigentlich sollte die Refinanzierung zum Jahresende abgeschlossen sein. Nun gewähren die Gläubiger eine Gnadenfrist – und heben zur Strafe die Zinsen an.

Eine Umschuldung dürfte sich für Montgomery schwer gestalten. Durch die Finanzkrise bricht das Anzeigengeschäft der Printbranche ein, die Gewinne von Montgomerys rund 300 Zeitungen umfassendem Medienkonglomerat schwinden. In Deutschland verlegt Mecom unter anderem neben der „Berliner Zeitung“, den „Berliner Kurier“, das Stadtmagazin „tip“, die „Hamburger Morgenpost“ und die „Netzeitung“. An der Börse ist die Mecom-Aktie auf ein Allzeittief von 0,86 Pence abgestürzt. Vor anderthalb Jahren war sie mehr als das Hundertfache Wert: Im Juli 2007 notierte sie bei 97 Pence. Die Mitarbeiter vieler Zeitungen, die zu Mecom gehören, hat Montgomery gegen sich aufgebracht. Mit Sparplänen und Stellenstreichungen versuchte der Unternehmer, Zeitungen auf Rendite zu trimmen – und stieß in Redaktionen auf massiven Widerstand. Nun soll die „Berliner Zeitung“ schneller zur Disposition stehen, als es Montgomery lieb sein könnte. Die Verlagsgruppe M. DuMont Schauberg wies am Freitag allerdings Berichte zu einem möglichen Kauf der Zeitung zurück. Die Geschäftsführung teilte mit, sie werde sich zu diesem Zeitpunkt nicht äußern. Auch andere Mecom-Zeitungen erwecken das Interesse von Verlagen. Nach Angaben der Gewerkschaft Ver.di hat Mecom den Verkauf von Beteiligungen im 1. Quartal 2009 in Aussicht gestellt. Die Axel Springer AG hat offenbar Interesse an der „Hamburger Morgenpost“ sowie an Mecoms 51 Prozent an der polnischen Zeitung „Rzeczpospolita“. AFP/Tsp

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