Berliner Zeitung : Der Ehrenrat hat gesprochen

Die "Berliner Zeitung" hat am Mittwoch den Bericht des vierköpfigen Ehrenrates veröffentlicht, der im Frühjahr nach Bekanntwerden der Stasi-Tätigkeit mehrerer Redakteure eingesetzt worden war.

Darin bestätigt das vom Verlag unabhängige Gremium, dass es im Rahmen einer weitgehenden Überprüfung der Redaktion auf Stasi-Verstrickungen von insgesamt neun Journalisten gestoßen sei. Danach sind, wie schon berichtet wurde, mit Roland Heine und Tomas Morgenstern zwei der belasteten Mitarbeiter bereits ausgeschieden.

Für zwei weitere Redakteure, Thomas Leinkauf und Ingo Preißler, hatte der Ehrenrat empfohlen, sie von ihren leitenden Aufgaben zu entbinden, aber in der Redaktion zu belassen. Bei insgesamt fünf Redakteuren habe die Überprüfung ergeben, dass sie beim Stasi-Wachregiment "Feliks Dzierzynski" tätig waren. Sie seien damit hauptamtliche Stasi-Mitarbeiter gewesen, für die es aber keinen Anlass zu irgendwelchen dienstrechtlichen Folgerungen gebe. Zur Begründung betont der Bericht, dass es sich dabei "um keine konspirative Tätigkeit" gehandelt habe. Drei von ihnen hätten zudem das Ansinnen des Stasi-Ministeriums abgelehnt, als inoffizielle oder hauptamtliche Spitzel der DDR-Staatssicherheit tätig zu werden. Der Chefredakteur der "Berliner Zeitung", Josef Depenbrock, dankte dem Rat "für seine Arbeit" und will den Empfehlungen "ausnahmslos" folgen. "Zwei Kollegen werden künftig nicht mehr für die Redaktion tätig sein."

Zur Aufarbeitung der Stasi-Verstrickungen betonte der Ehrenrat (dem unter anderem Peter Busse, früherer Direktor beim Bundesbeaufragten für die Stasi-Unterlagen, und Regisseur Thomas Langhoff angehören), dass es die "Berliner Zeitung" zu lange versäumt habe, "sich mit den Lebenswegen ihrer Mitarbeiter auseinanderzusetzen". Ein vollständiger Überblick über mögliche Stasi-Verstrickungen aller Redakteure sei mit der Arbeit des Ehrenrates nicht möglich. Es bleibe Sache der Redaktion, "den Prozess der Aufklärung sukzessive zu Ende zu führen". Dem Bericht zufolge fehlen in zehn Fällen noch Angaben. Tsp

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