Berliner Zeitung : Stasi-Affäre - Bis Ende Mai Akten prüfen

Drei von vier Redakteuren stimmen für die geplante Untersuchung der Belegschaft der "Berliner Zeitung", um die Vorwürfe der Stasi-Zugehörigkeit zu klären.

BerlinMehr als 90 von etwa 120 Redakteuren der „Berliner Zeitung“ wollen ihre Akten zur Einsicht bei der Birthler-Behörde beantragen, um so die Untersuchung möglicher Stasi-Verstrickungen in ihrem Haus zu unterstützen. Das sagte Thomas Rogalla, Sprecher des Redaktionsausschusses, gestern dem Tagesspiegel. Während einer Redaktionsversammlung am Dienstag hatten die Redakteure anonym abgestimmt. „Niemand wird gezwungen, seine Akten auf den Tisch zu legen“, sagte Rogalla. Die Redakteure seien sich jedoch uneinig gewesen, ob die Erkenntnisse aus ihren Akten veröffentlicht, Forschern oder der Chefredaktion zur Verfügung gestellt werden sollten.

Derweil koordiniert Anwalt Johannes Weberling im Auftrag von Chefredakteur Josef Depenbrock ein Forschungsprojekt, mit dem etwaige Stasi-Verstrickungen wissenschaftlich untersucht werden sollen – ohne, dass die Genehmigung der Redakteure nötig ist. Gestern Abend wollte Weberling einen entsprechenden Forschungsantrag ausarbeiten, zusammen mit Chefredakteur Josef Depenbrock sowie Spezialisten von der Freien Universität Berlin und der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). Bis Ende Mai soll die Untersuchung abgeschlossen sein, kündigte Weberling an. „Ein ehrgeiziges, aber auch nicht unrealistisches Ziel“, sagte die Birthler-Behörde.

Der Redaktionsausschuss empfahl Chefredakteur Depenbrock am Dienstag, dass ihm ein externer, unabhängiger Ehrenrat Empfehlungen geben soll, welche Konsequenzen angemessen sind, wenn ein Redakteur Inoffizieller Mitarbeiter (IM) der Stasi war – auch in den Fällen des leitenden Redakteurs Thomas Leinkauf und des stellvertretenden Politikchefs. Ihre jetzt bekannt gewordenen Stasi-Verstrickungen werden auch unter den Lesern der „Berliner Zeitung“ kontrovers diskutiert. Auf der Medienseite wurden weitere Briefe veröffentlicht, auch auf der Homepage werden Positionen ausgetauscht. Einige bezeichnen die entdeckten IM-Tätigkeiten als „Jugendsünde“, andere fordern ein „Schreibverbot“. (Tsp/sop)

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