Berliner Zeitung : Weiterhin schlechte Stimmung zwischen Belegschaft und Chefetage

Erst kürzlich forderte die Redaktion der Berliner Zeitung ihren Chefredakteur und Geschäftsführer Josef Depenbrock zum Rücktritt auf - ohne Ergebnis. Auf der Betriebsversammlung gab es erneut Ärger: "Wo ist unser Geld? Wann wird investiert", lauten die drängendsten Fragen.

Olaf Jahn[ddp]

BerlinDen Beginn der Betriebsversammlung bei der "Berliner Zeitung" am Donnerstag hatte der Betriebsrat aus symbolischen Gründen auf fünf vor zwölf gelegt. Es wurde 12.01 Uhr, bevor Betriebsratsvorsitzende Renate Gensch das Wort ergriff. Anlass der Versammlung war das gespannte Verhältnis zwischen der Redaktion auf der einen und Chefredakteur und Geschäftsführer Josef Depenbrock auf der anderen Seite. Die Redaktion hatte ihm erst kürzlich das Misstrauen ausgesprochen und ihn zum Rücktritt aufgefordert. Zwei Jahre nach dem Einstieg des britischen Finanzinvestors David Montgomery beim Berliner Verlag schlagen die Wellen wieder hoch.

Betriebsrat wie Belegschaft befürchten vor allem einen weiteren Sparkurs und Stellenabbau. Die Kredite der einst florierenden "Berliner Zeitung" stiegen laut Gensch von 95 auf 104 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote fiel von 16 auf 1,5 Prozent. "Wo ist unser Geld? Wann wird investiert?", fragte Gensch. Nach Angaben des Betriebsrates verließen seit dem Einstieg Montgomerys 19 Kollegen das Blatt von sich aus. Den Mitarbeitern stößt unter anderem auf, dass Depenbrock Chefredakteur und Geschäftsführer in Personalunion ist.

Neues Redaktionssystem und Online-Relaunch in Aussicht gestellt

Depenbrock selbst hielt dagegen, Montgomerys Firma Mecom wolle seine Medien als dauerhafter Eigentümer entwickeln. Für die zweite Jahreshälte stellte er ein neues Redaktionssystem sowie generell eine Erneuerung der Online-Auftritte des Verlages in Aussicht. Zweifel an der Reputation der "Berliner Zeitung" werden aus seiner Sicht von Konkurrenzmedien außerhalb Berlins genährt. Er selbst sieht das Blatt nach wie vor als "eine starke Marke".

Das Finanzkonsortium um Montgomerys Mecom war der erste ausländische Investor, der einen deutschen Zeitungsverlag zu 100 Prozent übernahm. Nach dem Einstieg im Herbst 2005 hatte das Unternehmen die DV Deutsche Zeitungsholding gegründet und Anfang 2006 den Hamburger Morgenpost Verlag dazugekauft.

Depenbrock, der bis dahin Chefredakteur und Geschäftsführer der "Hamburger Morgenpost" war, kam im Mai 2006 als Chefredakteur zur "Berliner Zeitung". Sein Vorgänger Uwe Vorkötter hatte sich von Beginn an vehement gegen den Einstieg Montgomerys in den Verlag gewehrt und war schließlich zur "Frankfurter Rundschau" gewechselt.

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