• Berlusconis Opfer? Der regierungskritische Chef des „Corriere della sera“ ist gegangen

Medien : Berlusconis Opfer? Der regierungskritische Chef des „Corriere della sera“ ist gegangen

Thomas Migge

Für Silvio Berlusconi war Italiens auflagenstärkste Tageszeitung (etwa 650 000 Exemplare) lange ein Dorn im Auge. Der Mailänder „Corriere della sera“ war, obwohl traditionell eher zurückhaltend, in den letzten zwei Jahren zu einem Anti-Regierungsblatt geworden. Schuld daran trug, so sah es wohl Italiens Regierungschef, der gestern ausgeschiedene Direktor Ferruccio de Bortoli. Jetzt ist Stefano Folli neuer Direktor. Folli ist seit Jahren Politikredakteur und gilt als Mann der politischen Mitte mit Sympathien für den Medienzaren.

Mit dieser Neubesetzung findet der „Kampf um den unabhängigen ,Corriere’“ („La Repubblica“) ein vorläufiges Ende. Schon kurz vor dem Tod von Autokönig Agnelli hatte Berlusconi versucht, über seine Holding Fininvest den „Corriere“ zu kaufen. Als Agnellis Autokonzern vor dem finanziellen Aus stand, wurde daran gedacht, die Fiat-Beteiligungen an der Zeitung abzustoßen. Doch die Übernahme durch Berlusconi misslang. Cesare Romiti, Chef der Gemina-Holding, einer der wichtigsten Anteilseigner an Fiat sowie an der RCS-Group, zu der der „Corriere“ gehört, hat sich ebenfalls für einen neuen Direktor ausgesprochen. Die Gemina benötigt dringend finanzielle Hilfe von der Regierung zur Rettung von Fiat und deshalb, so heißt es in Mailand, gab Romiti nach und kommt damit Berlusconi entgegen. Geplant ist auch, dass der Unternehmer Salvatore Ligresti, ein Freund des Regierungschefs, mit hohen Finanzmitteln bei der RCS-Group einsteigt. Sein Geld wird dringend benötigt, ist aber an einen entschieden regierungsfreundlicheren Kurs der Tageszeitung gebunden. „Bei diesem Deal“, so der prominente Linksdemokrat Luciano Violante, „bleibt die unabhängige Presse auf der Strecke“.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben