Medien : Bernstein glaubt der Recherche von „Newsweek“

Ulrike Simon

Carl Bernstein ist einer der berühmtesten Journalisten der Welt, seitdem er mit Bob Woodward in der „Washington Post“ die Watergate-Affäre enthüllte. Am Freitag war er anlässlich der Verleihung des Henri-Nannen-Preises zu Gast in Hamburg. Ein Anlass, um über die aktuelle Debatte um das Magazin „Newsweek“ zu sprechen. Es wurde deutlich, dass man den Vorfall im amerikanischen Kontext sehen muss. Wer als Journalist in den USA Enthüllungsarbeit leistet, hat mit Einflussnahme aus der Politik zu rechnen, und zwar in einem für deutsche Verhältnisse nicht vorstellbarem Ausmaß. Bernstein benutzte den Begriff der „Kampagne“, deren Wirkungsmöglichkeit nur zu verstehen ist, wenn man sieht, auf welch fruchtbaren Boden diese Angriffe fallen.

45 Prozent der amerikanischen Bevölkerung glauben nicht oder wenig an den Wahrheitsgehalt dessen, was in Zeitungen steht, zitierte Bernstein eine Studie. Zum Vergleich: In Deutschland liegt der Wert der Glaubwürdigkeit von Zeitungen bei über 80 Prozent. Insofern ist es in den USA auch einfacher, Medien in ein schlechtes Licht zu stellen. Umso mehr sei es Aufgabe von gutem Journalismus, der Wahrheit so nah wie möglich zu kommen, betonte Bernstein. Dies habe sich „Newsweek“ im Grundsatz zur Aufgabe gemacht, dies gelte auch für den Bericht über die umstrittene Koranschändung im US-Gefangenenlager von Guantanamo. Bernstein zeigte sich umso sicherer, da der „Newsweek“-Reporter erwiesenermaßen nicht ideologisch motiviert sei. Anders als die Bush-Regierung, deren Attacken Bernstein politisch motiviert sieht.

Mit Blick auf die in den USA seit langem währende Debatte über den Umgang mit anonymen Quellen sagte der 61-jährige Bernstein, aufgrund der aktuellen Atmosphäre trauten sich immer weniger öffentliche Funktionsträger, öffentlich die Wahrheit zu sagen. Allerdings würden Informationen auch gestreut, um Journalisten in Fallen zu locken. Schon immer seien anonyme Quellen unentbehrlich für investigativen Journalismus gewesen, das habe bei der Watergate-Affäre für den anonymen Informanten „Deep Throat“ gegolten, das gelte auch heute.

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