Medien : Bert Brecht und die Barbiepuppen

Tom Peuckert

verrät, was Sie nicht verpassen sollten Wir kennen im Leben große und kleine Probleme. Wir weichen gern den großen aus, um uns hingebungsvoll mit kleineren zu beschäftigen. Manchmal stehen die großen Probleme dringend vor der Tür, und wenn wir sie nicht reinlassen, treten sie uns das ganze Haus ein. Aus kleinen Problemen können große werden, der Umkehrschluss gilt leider selten. Oft ist schwer zu entscheiden, ob ein Problem klein oder groß ist. Warum wir das hier so ausführlich darlegen? Weil es im Radio wie im Leben ist. Jede ernsthafte Radiosendung hat ein Problem, das sie dem Hörer nahe bringen will. Ist es ein großes, oder ist es ein kleines?

Nehmen wir das Feature „Fantasien über Barbie“ von Inge Braun und Helmut Huber, das die Geschichte der gleichnamigen Puppe erzählt. Nur ein Kinderspielzeug, könnte man meinen, aber doch auch ein Gegenstand, an dem sich Künstler, Politaktivisten und Wissenschaftler seit gut vierzig Jahren abarbeiten. Barbie wurde von Soziologen analysiert und von Feministinnen attackiert, von Modeschöpfern kostümiert und von kleinen Mädchen hemmungslos affirmiert. Die Autoren lassen keine Facette dieser Entwicklung aus und beweisen, dass auch Puppen ihre Problemgeschichte haben können (Deutschlandradio, 1. September, 19 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Wie schwer wiegen dagegen die Überbleibsel der Atomindustrie? Tödlicher Müll, der irgendwie beiseite geschafft werden muss. Zum Beispiel im amerikanischen „Endlager Yucca Mountain“, das Feature-Autor Michael Marek besucht hat. In Nevada bohrte das US-Energieministerium einen riesigen Stollen, um dort die größten Probleme unserer technischen Zivilisation zu entsorgen. Ausgerechnet in einem heiligen Berg der Indianer, was nun zu zornigen Bündnissen zwischen Umweltschützern und Ureinwohnern führt (Deutschlandradio, 2. September, 19 Uhr 05).

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Und wie groß, so fragen wir auch an dieser Stelle, ist eigentlich der Problemdruck, den Hartz IV erzeugt? Gibt es eine neue Eiszeit im sozialen Gehäuse, oder können wir uns von der munteren PR-Arbeit der Regierung trösten lassen? Nach Antworten hat Autor Karsten Kretzer mit seinem Feature „Kleine Frau – was nun?“ gesucht. Hauptfigur ist eine junge Arbeitslose in Dresden. Die gelernte Krankenschwester zieht ihre Kinder groß, spendet Blutplasma, jobbt beim Pflegedienst. Noch bezieht sie Arbeitslosengeld, bald wird es Sozialhilfe sein. Eine Studie vor Ort, Recherche am Detail, intimes Gegenstück zu den panoramatischen Ausblicken der Statistiker (Kulturradio, 4. September, 9 Uhr 05, UKW 92,4 MHz).

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Bliebe noch Bertolt Brecht, der gleich mehrfach im Radio präsent ist. Ein Meister im Formulieren weltgeschichtlicher Probleme – dank marxistischer Theorie fiel ihm meist auch die passende Lösung ein. Hören Sie Brechts eigenhändige Radioinszenierung des „Kaukasischen Kreidekreis“ aus dem Jahr 1954 (Deutschlandradio, 5. September, 19 Uhr 05). Zwei Tage später liest Manfred Krug einige Brecht-Erzählungen, die bisher unentdeckt in den Archiven schlummerten. „Herr K. vertritt die Leute“ ist das hörenswerte Ereignis betitelt (Deutschlandradio, 7. September, 19 Uhr 05).

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