Bertelsmann : Kundrun verlässt Vorstand

Im Streit mit Bertelsmann-Vorstandschef Hartmut Ostrowski hat der Vorstandsvorsitzende des Verlagshauses Gruner + Jahr, Bernd Kundrun, sein Vorstandsamt beim Mutterkonzern niedergelegt. Kundrun habe seine Entscheidung am Dienstagabend mitgeteilt, sagte ein Sprecher. Zu den Hintergründen äußerte er sich nicht.

„Der Bertelsmann-Aufsichtsrat nimmt die persönliche Entscheidung Kundruns zur Kenntnis und wird sich zu gegebener Zeit weiter äußern“, hieß es. Den Vorstandsvorsitz von Gruner + Jahr hat Kundrun nicht niedergelegt. Bertelsmann ist an Gruner + Jahr, dem in Hamburg ansässigen größten Zeitschriftenverlag Europas („Stern“, „Brigitte“), mit 74,9 Prozent beteiligt. Im Bertelsmann-Vorstand saßen bisher neben Ostrowski und Kundrun auch Thomas Rabe (Finanzen), Rolf Buch (Arvato), Gerhard Zeiler (RTL) sowie Markus Dohle (Random House).

In dem seit langem schwelenden Streit zwischen dem Gruner + Jahr-Management und dem Vorstand der Muttergesellschaft Bertelsmann geht es nach Darstellung aus Hamburger Vorstandskreisen um Investitionsmittel, die aus Gütersloh nicht in ausreichender Höhe zur Verfügung gestellt worden seien. Kundrun hatte darauf bereits vor zwei Jahren hingewiesen. Damals hatten die Bertelsmann-Eigner um die Familie Mohn Firmenanteile des Minderheitsaktionärs Groupe Bruxelles Lambert (GBL) für 4,5 Milliarden Euro zurückgekauft und damit die Investitionsmöglichkeiten des Konzerns eingeschränkt.

Kundrun sei nicht länger gewillt, große Beträge aus der Zeitschriften sparte an die Muttergesellschaft in Gütersloh abzuführen. In den vergangenen fünf Jahren hätten sich diese Beträge auf eine Milliarde Euro summiert. Gruner + Jahr müsse angesichts der Medienkrise die Hand für Investitionen freihaben. Dafür benötige der Verlag die entsprechenden Mittel.

In Vorstandskreisen bei Bertelsmann wird Kundruns Darstellung als Ablenkungsmanöver gewertet. Der 51-Jährige hatte im eigenen Haus wegen Sparmaßnahmen nach Anzeigeneinbrüchen massiv umstrukturieren müssen. Zudem habe Kundrun Gespräche über einen Wechsel in den Vorstandsvorsitz von ProSiebenSat1 geführt. Die Münchner Senderkette ist in Deutschland Hauptkonkurrent der Bertelsmann-Tochter RTL. dpa/Tsp

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