Medien : Besser als der Videorekorder

Eine Fernsehkarte erlaubt komfortable Aufnahmen in erstklassiger Qualität. Doch nicht jedes Gerät ist gleich gut. Was zu beachten ist

Kurt Sagatz

Bislang war Fernsehen am Computer ein schwieriges Geschäft: Die Hardware oftmals zu langsam, die Programme unkomfortabel. Doch mit den aktuellen Lösungen macht nicht nur Zuschauen am PC Spaß, das Schneiden und Brennen von Filmen auf DVD ist auch für Laien keine große Sache mehr. Doch welches System ist das Richtige? Ist digital wirklich besser als analog? Was muss man tun, um aus dem Fernsehfilm eine normgerechte DVD zu erstellen, damit man die Aufnahmen später am Fernseher in bester Qualität genießen kann? Wir haben zusammengefasst, was sie über Computer mit Fernsehkarten wissen sollten:

WAS IST BESSER: ANALOG ODER DIGITAL?

In Berlin, in Norddeutschland sowie in Nordrhein-Westfalen hat man inzwischen die Auswahl zwischen analogem und digitalem Empfang. Wer über einen Kabelanschluss mit seinem großen Programmangebot verfügt, kann das Programm mit einer analogen Fernsehkarte oder einer externen USB-Fernsehbox aufnehmen. „Bei analogen Aufnahmen ist jedoch ein gewisses Bildrauschen nie zu vermeiden“, sagt „c’t“-Experte Laurenz Weiner. In den Gebieten, die bereits für das digitale Antennenfernsehen erschlossen wurden, ist darum eine DVB-T-Karte (beispielsweise der „PC Praxis“-Preistipp Twinhan DTV Ter für 75 Euro) eine Alternative. Die Programmvielfalt liegt fast auf Kabelniveau und man kann den Computer unabhängig vom Kabelzugang aufstellen. Allerdings muss der Empfang stimmen: „Auch wenn DVB-T gern als Überallfernsehen bezeichnet wird, kann es beispielsweise im Funkschatten von Hochhäusern zu Empfangsproblemen kommen“, wie Twinhan-Produktmanager Frank Mallin einräumt. „Dann wird eine stärkere Zimmerantenne, eine Außen- oder eine Dachantenne benötigt.“

SIND ALLE KARTEN GLEICH GUT?

Die Tuner und Dekoder von analogen Karten sind mittlerweile ausgereift, sagt Weiner. „Man sollte allerdings bei Restposten und Billigangeboten aufpassen, weil dort mitunter veraltete Chipsätze verwendet werden“, warnt der „c’t“- Mann. Für schwächere Rechner unter einem Gigahertz Prozessortakt bieten sich Weiner zufolge analoge Fernsehkarten mit eingebauter Umwandlung des Fernsehsignals ins digitale Aufnahmeformat an. Das entlastet den Computer, indem die Aufzeichnung direkt im späteren DVD-Format auf die Festplatte gelangt. Das hat auch bei schnelleren Rechnern Vorteile, weil der Computer sogar während der Aufzeichnung andere Arbeiten (Internet, Word) übernehmen kann. Im „Chip“-Test schnitt die WinTV-PVR- Reihe von Hauppauge am besten ab, die PVR 150 für 99 Euro unterstützt auch die Windows XP Media Center Edition.

WANN MUSS NACHGEARBEITET WERDEN?

Die Faustregel lautet: Je besser die Aufnahme, desto einfacher die Nachbearbeitung. Wer mit einer Analogkarte mit Hardware-MPG2-Umwandlung einen Film aus dem Fensehkabel oder vom Videorekorder überspielt, hat gute Voraussetzungen. Selbst mit den oftmals mitgelieferten Programmen ist es einfach, störende Werbung herauszuschneiden. Bei DVB-T ist die Empfangsqualität entscheidend. Ist der Empfang gut, verursacht auch die Nachbearbeitung keine Probleme. Bei Störungen des Empfangs kann hingegen die Synchronisierung von Bild und Ton leiden. Dann hilft nur manuelles Nachbearbeiten mit Programmen wie PVAstrumento (aus dem Internet laden).

ELEKTRONISCHE TV-ZEITSCHRIFTEN

Bei DVB-T werden die Programminformationen mitgeliefert. Soll eine Sendung aufgenommen werden, reicht zumeist ein Mausklick zum Programmieren. Komfortabel sind auch Internet-Programmzeitschriften wie tvgenial.de oder tvtv.de, die auch den Gesamtüberblick bieten. „Allerdings sind diese Angebote teilweise mit Kosten verbunden, insbesondere, wenn man Aufnahmen per Mausklick programmieren will“, sagt Laurenz Weiner. „Zudem gibt es keine Garantie, dass kurzfristige Programmänderungen in jedem Fall rechtzeitig im Rechner ankommen. Beim Vorbereiten von Aufnahmen sollte man deshalb genügend große Zeitpuffer für die Aufnahme berücksichtigen.“

LOHNT SICH DAS NACHRÜSTEN?

Wird der PC als reiner Zweitfernseher eingesetzt, reichen ein Pentium-II-Computer und eine einfache Analogkarte ab 50 Euro aus (Kabelempfang vorausgesetzt). Wer die Filme auch schneiden und auf DVD brennen will, sollte mindestens ein schnelles Pentium-III-System ab 800 Megahertz einsetzen, sonst sind Ruckler und Bildaussetzer auch bei DVB-T-Empfang programmiert. Je schneller der Rechner, desto flüssiger klappt überdies das Nachbearbeiten. Zum Erstellen der DVDs wird ein DVD-Brenner (120 Euro) benötigt.

REICHT DIE MITGELIEFERTE SOFTWARE?

Bei den mitgelieferten Programmen handelt es sich oft um abgespeckte Versionen. Wer häufiger Fernsehsendungen nachbearbeitet, kommt um Zusatzprogramme nicht herum. In Tests von „Computer Bild“, „Chip“ und „c’t“ erhielt „Magix Filme auf CD & DVD“ immer wieder Bestnoten. „Die Bedienung ist relativ einfach und die Bildqualität überzeugend“, erklärt „c’t“-Experte Weiner. Die Version 4.0 (rund 40 Euro) verfügt ebenfalls über eine Videorekorder-Funktion. Ebenfalls sinnvoll sind Programme wie PowerCinema von Cyberlink (Version 3, rund 70 Euro), mit denen man verschiedene multimediale Dienste wie Fotos, Musik, Videos, Fernsehen und Radio unter einer einheitlichen Oberfläche zusammenfassen kann. Damit lassen sich auch Computer, die nicht mit der Windows XP Media Center Edition ausgeliefert wurden, nachträglich anpassen und sind dann erheblich einfacher zu bedienen. Die Installation ist relativ einfach, das Programm sucht selbst nach vorhandenen Multimedia-Dateien und nach den verfügbaren Radio- und Fernsehkanälen.

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