Besser als jeder Blog : Wichtig machen

Das Portal www.commentarist.de sammelt und sortiert Meinungen. 20 Nachrichtenseiten werden tagesaktuell ausgewertet.

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Als die Welt noch überschaubar war, zählte für den Wissensdurstigen vor allem eines: Fakten, Fakten, Fakten. Das ist lange her. Heute gibt es das Internet, Twitter und Facebook. Informationen sind zur Massenware geworden. Doch damit wird die Sache kompliziert. Was tun mit der Nachrichtenflut? Wie kann Wichtiges von Unwichtigem unterschieden werden? Sich so verwirrt eine eigene Meinung zu bilden, fällt schwer. Journalisten und Redakteure bemühen sich deshalb, mit ihren Kommentaren und Kolumnen einen Weg durchs Dickicht zu bahnen. Da hilft ein Onlineangebot, die verschiedenen Positionen zu finden und miteinander zu vergleichen: www.commentarist.de.

Das Prinzip ist so einfach wie benutzerfreundlich. Commentarist wertet derzeit 20 Nachrichtenseiten tagesaktuell aus – von Bild.de bis Zeit online. Auch der Tagesspiegel ist mit von der Partie. Das heißt, der jeweilige Kooperationspartner stellt eine technische Schnittstelle zur Verfügung und bestimmt selbst, welcher Text Kommentarcharakter hat. Mithilfe einer besonderen Software werden die Beiträge automatisch kategorisiert. Gleichzeitig entsteht eine Art Ranking. Was in den Medien am häufigsten kommentiert wird, steht auch bei Commentarist ganz oben.

Dann kommen sogenannte Editoren ins Spiel. Die beiden Mitarbeiter entscheiden, zu welchem Thema ein neuer Kommentar gehört und bündeln möglichst sinnvoll die verschiedenen Inhalte. Diese wichtige Arbeit einer Maschine zu überlassen, hält Geschäftsführer Eric Hauch für grundfalsch: „Die Editoren garantieren die notwendige journalistische Qualität unseres Angebots.“ Am Ende steht eine Seite, die ein wenig an Google News erinnert. Thematisch ist Commentarist breit aufgestellt. National, International, Sport, Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft und Technik lauten die Rubriken, denen wiederum farbige Koffersymbole als Orientierungshilfe zugeordnet sind. Außerdem kann man gezielt die Kommentare selbst ausgewählter Nachrichtenseiten und Autoren per E-Mail abonnieren.

Die Idee, ein zentrales Portal für Meinungsjournalismus im Internet anzubieten, hatte Eric Hauch schon vor einigen Jahren. „Eine Nachricht allein besagt nicht viel. Wichtig ist, dass sie von kompetenten Journalisten eingeordnet wird“, sagt der heute 26-Jährige. Er hörte sich zunächst in London um, von dort aus ging es mit ein paar Adressen nach Bukarest. Dort fand er einen Programmierer, der sich für die Commentarist-Idee begeisterte.

Fehlte nur noch das Startkapital. Zunächst förderten die Stadt Hamburg und die Uni Karlsruhe das Projekt. Dann sorgte das Management-Unternehmen Mücke, Sturm & Company als Investor für die Anschubfinanzierung. Überhaupt sieht Hauch im Sponsoring ein tragfähiges Geschäftsmodell für die Zukunft. „Der Inhalt ist attraktiv, die Zielgruppe – Journalisten, Entscheider, PR-Leute, Politiker und öffentlich-rechtliche Einrichtungen – ebenfalls.“ An die Bannerwerbung als sprudelnde Einnahmequelle glaubt der studierte Betriebswirt eher weniger.

Aber noch befindet sich Commentarist in der Aufbauphase. Da muss ein kleines Start-up-Unternehmen ohnehin mit Widrigkeiten jeder Art rechnen. Auch Hauch hat da so seine Erfahrungen machen müssen. Denn als er mit Commentarist erstmals online ging, gab es gleich Ärger mit der „FAZ“ und der „Süddeutschen Zeitung“. Beide Branchengrößen wollten nicht, dass ihre Kommentare ungefragt auf der Internetplattform berücksichtigt wurden. Es gab Streit und Klagedrohungen. Hauch nahm vorsichtshalber die Seite vom Netz. Dann schloss der Geschäftsführer Verträge mit zunächst 14 Medienhäusern und ging im September 2011 wieder an den Start – ohne „FAZ“ und „Süddeutsche“.

Doch das ist für die Gründer von Commentarist passé. Hauch und sein Kompagnon Mircea Preotu, der für die technischen Aspekte der Plattform zuständig ist, schauen lieber in die Zukunft. Wenn alles gut geht, hofft Hauch, dann gilt Commentarist in ein paar Jahren als Anlaufpunkt Nummer eins für gesammelten Meinungsjournalismus. Christian Böhme

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