Medien : Besser ein Duell als keins

Die Fernsehsender konfrontieren Schröder und Merkel mit vier Moderatoren

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Große Begeisterung klingt anders. „Ich wollte zwei Duelle, aber vor der Alternative ,eines oder keines’ ist mir ein Fernsehduell lieber“, sagte ARDChefredakteur Hartmann von der Tann dem Tagesspiegel. „Eine Ideallösung ist das nicht“, betonte ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender. Thomas Kausch, Anchorman der Sat-1-Nachrichten, sagte: „Jetzt ist es eben, wie es ist.“ Und RTL-Sprecher Andreas Hahm-Gerling meinte lapidar: „Superdoll ist das nicht.“

Die Lösung sieht so aus: Am 4. September werden sich Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und CDU-Herausforderin Angela Merkel zu einem TV-Duell vor den Live-Kameras von ARD, ZDF, RTL und Sat 1 in Berlin-Adlershof 90 Minuten lang messen.

Begeistert sind die Verantwortlichen der beiden öffentlich-rechtlichen Sender und der beiden privaten Sender nicht, überrascht sind sie aber auch nicht. „Wir haben uns vor den gemeinsamen Verhandlungen mit den Vertretern der beiden Parteien untereinander auf dieses Tableau verständigt“, sagte von der Tann. Für alle habe nach der Verhandlungsrunde am vergangenen Wochenende festgestanden, dass die CDU-Seite wie ein monolithisch Block auf nur einem Duell bestehen und nur bei der Länge Zugeständnisse machen würde. „Also haben wir unser gemeinsames Konzept vorgelegt und Punkt für Punkt abgearbeitet“, berichtete Hartmann von der Tann. Das sei konstruktiv und freundlich geschehen.

Alle Beteiligten betonen zudem die Unterschiede zu den beiden Fernsehduellen 2002. „Das waren damals ja richtiggehende Staatsvertragsverhandlungen, wie diese Duelle ablaufen sollten“, sagte ZDF-Chefredakteur Brender. Da habe die politische Seite einiges dazugelernt. Sein ARD-Kollege von der Tann ergänzte, anders als 2002 würden Restriktionen wegfallen, „die Zuschauer können auf einen freien Dialog zwischen den Moderatoren und den beiden Politikern gespannt sein.“ Auch werde die Reichweite eine andere sein als beim letzten Mal, sagte Sat-1-Sprecherin Kristina Faßler. „Jetzt übertragen eben vier Sender auf einmal und nicht je zwei hintereinander.“ Allerdings wird, wie die Vergangenheit paralleler Übertragungen im deutschen Fernsehen zeigt, die ARD der große Gewinner bei den Einschaltquoten sein: Das Publikum drückt auf der Fernbedienung dann gewohnheitsmäßig die erste Taste – wo das Erste zumeist programmiert ist.

Die vier Moderatoren werden sich „bis Ende nächster Woche“ ein erstes Mal getroffen haben, „allerdings müssen vorher die Chefredakteure Kontakt aufnehmen und erste Details klären“, sagte RTL- Sprecher Andreas Hahm-Gerling.

Auch der Kölner Sender zeigte sich nur bedingt zufrieden und sprach von der „zweitbesten Lösung“. Immerhin sei „eine gute Mischung“ gegeben, so der RTL-Sprecher. Zwei private Sender, zwei öffentlich-rechtliche, zwei Männer, zwei Frauen. Nur in der Altersstruktur unterscheiden sie sich kaum: Christiansen ist 47 Jahre alt, Illner 40 Jahre, Klöppel 46 und Kausch 41 Jahre alt. Bis auf Illner, die im Ostteil Berlins geboren ist, kommen alle aus den alten Bundesländern.

Geärgert haben sich einige Vertreter der verantwortlichen Sender über die Vorhaltungen des Bundeskanzlers vor den Verhandlungen am Mittwochnachmittag, die Fernsehsender würden nicht mit genügend Nachdruck auf die Ausstrahlung von zwei TV-Duellen dringen. Es sei auch eine Frage des Selbstbewusstseins, wer darüber bestimme, wie die Öffentlichkeit über politische Positionen informiert werde, sagte Schröder. ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender hielt dem entgegen, Schröder selbst würde sich unterbuttern lassen, „er unterwirft sich der Forderung der CDU“, wie das Ergebnis zeige. Zudem habe der Kanzler Einladungen zu dem ZDF-Format „Was nun, ...?“ ausgeschlagen, wenn er in schwierigen Situationen gewesen sei.

Dass die CDU und ihre Kanzlerkandidatin Angela Merkel die Wahl am 18. September nicht durch Fernsehauftritte zu gewinnen glaubt, unterstreicht die Tatsache, dass Merkel gerade eine Einladung in die Sendung „Sabine Christiansen“ ausgeschlagen hat. Dort war am vergangenen Sonntag der Kanzler Schröder aufgetreten und hatte nach dem übereinstimmenden Urteil der Beobachter bella figura gemacht.

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