Bester Krimi : Die Unverzichtbare

Terror in Dänemark: Neue Folgen von Søren Sveistrups „Kommissarin Lund“. Der Krimi geht wieder über spannende fünf Folgen.

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Nicht einschüchtern lässt sich Kommissarin Sarah Lund (Sofie Gråbøl), als sie den verdächtigten Kodmani (Ramadan Huseini) zu den Mordfällen verhört. Foto: ZDF
Nicht einschüchtern lässt sich Kommissarin Sarah Lund (Sofie Gråbøl), als sie den verdächtigten Kodmani (Ramadan Huseini) zu den...

Sarah Lund lässt sich bitten. Wegen mehrerer Dienstvergehen war sie von ihrem Vorgesetzten Lennart Brix ( Morten Suurballe) von Kopenhagen in die dänische Provinz strafversetzt worden. Jetzt will er sie zurück haben – zu kompliziert ist der Fall, den er zu lösen hat. Eine Frau wird an einer nationalen Gedenkstätte tot aufgefunden. Was zunächst aussieht wie das tragische Ende eines Ehedramas, scheint sich schon bald als Vergeltungsakt einer islamistischen Terrorgruppe herauszukristallisieren. Und dann ist da noch der ehemalige Soldat Jens Peter Raben (Ken Vedsegaard), der bei seinem Einsatz in Afghanistan Zivilisten getötet haben soll und nun in psychiatrischer Haft sitzt, weil ihm niemand seine Version der Ereignisse glaubt.

Zunächst haben diese Geschichten offenbar nichts miteinander zu tun zu haben, doch dann lässt Autor Søren Sveistrup die Handlungsstränge in seinem Thriller „Kommissarin Lund – Das Verbrechen II“ zusammenfließen. Es ist die Fortführung der Krimireihe aus Dänemark, die vor zwei Jahren im ZDF lief. Die fünf neuen Folgen zeigt der Mainzer Sender nun jeweils sonntags.

Im Gegensatz zu den anderen Krimis aus Skandinavien wie die von Henning Mankell, Jussi Adler-Olsen oder Stieg Larsson gibt es „Kommissarin Lund“ nicht als Romanvorlage. Sveistrup schreibt direkt fürs Fernsehen, aber nicht weniger düster als seine Kollegen. Im neuen Fall widmet er sich der Terrorangst und greift damit ein aktuelles politisches Thema auf. „Europe is the cancer, Islam is the answer“ steht über einer Videobotschaft, die dem neuen Justizminister Thomas Buch (Nicolas Bro) zugespielt wird. Er soll das Anti-Terror-Gesetz durchs Parlament bringen, spürt aber, dass der Fall der ermordeten Frau damit in Verbindung steht. Als noch ein zweiter Toter gefunden wird, wächst der politische Druck auf den Politiker, der bei der Aufklärung mitmischen will.

Doch die Lösung finden kann einzig Sarah Lund. Erst nachdem sie ihrem Chef eine Absage erteilt hat, ringt sie sich durch, an dem Fall mitzuarbeiten. Ihr Ehrgeiz treibt sie an, besessen wendet sie auch noch so kleinen Details so lange, bis sie einen Schritt weiter an die Wahrheit kommt. So erweist sich eine Plastikfolie, die ihre Kollegen als unwichtig abtun, als entscheidendes Indiz. Lund ist damit eine außergewöhnliche Ermittlerin und für ihre Kollegen trotz Strafversetzung unverzichtbar.

Gespielt wird Sarah Lund von Sofie Gråbøl. Sie verkörpert das Spröde, das Zähe und zugleich auch Zerbrechliche der Figur exzellent. Im Gegensatz zu vielen „Tatort“-Fällen wird hier das Private aufs Nötigste reduziert. So, wie es sein soll, steht der Fall im Mittelpunkt.

Wer den ersten Teil von „Kommissarin Lund“ nicht gesehen hat, könnte zunächst Probleme haben zu verstehen, wie die Personen zueinander stehen. Eine Einführung der einzelnen Figuren und ein kurzer Rückblick, warum Sarah Lund nicht mehr in Kopenhagen arbeitet, warum der Soldat Raben in Haft sitzt, hätten dem Krimi gutgetan. So aber erfährt der Zuschauer davon erst weit am Ende der ersten Folge. Geduld aber zahlt sich aus. Immer neue Rätsel, immer neue Spuren machen den Krimi zu einer atemlosen Jagd durch insgesamt 550 Minuten.

Dass sich Drehbuchautor Sveistrup ausgerechnet die Themen Terror und Islamismus dafür ausgesucht hat, mag auf den ersten Blick nicht besonders geschickt wirken. Zu groß ist die Gefahr, dass mit diesem Thema Klischees bedient werden und die in der Realität schon große Angst vor Anschlägen weiter geschürt wird. Afghanistan ist auch in Dänemark ein großes Thema, mehrere Hundert Soldaten sind dort im Einsatz. Als der Zeichner Kurt Westergaard 2005 in der dänischen Zeitung „Jyllands-Posten“ Karikaturen von Mohammed veröffentlichte, protestieren Muslime in zahlreichen Ländern, weil sie sich beleidigt fühlten. 50 Menschen starben, Westergaard steht seither unter Polizeischutz.

Er wolle so universell wie möglich über die westliche Geschichte und Kultur erzählen, sagte Sveistrup kürzlich. Und Terror gehöre nun mal dazu.

Seine Kommissarin Lund weiß jedoch, dass nicht jeder Muslim ein Islamist ist.

„Kommissarin Lund – Das Verbrechen II“, 1. Folge, 22 Uhr, ZDF

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