Beten und Boxen : Die Faust Gottes

Die ARD will einen neuen großen Vertrag mit dem Promotor Sauerland abschließen. Die Kritiker des Millionen-Deals sollten nicht übersehen, dass in die Übertragungen am Samstag auch das "Wort zum Sonntag" eingebaut werden könnte. Mit gottgefälligen Folgen.

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An jedem Samstag stoppt die Quotenjagd im ersten Programm für genau drei Minuten. Es kommt „Das Wort zum Sonntag“, eine mentale Aufbauhilfe für evangelische Christen und ähnlich Gläubige. Die drei Minuten leben vom Wort, sie sind Hörfunk im Fernsehen, sie sind im Millionenmaßstab des TV-Publikums eher nicht so erfolgreich. Am vergangenen Samstag hatte „Das Wort zum Sonntag“ 1,74 Millionen Zuschauer, es war der schwächste Zuspruch im Ersten zwischen 20 und 24 Uhr.

Immer war das nicht so. Einmal, es war im Jahr 2009 a.D., hatte Gottes Werk eine sensationell hohe Quote – 3,49 Millionen. Dank Teufels Beitrag: „Das Wort zum Sonntag“ war in eine Box-Übertragung integriert worden. Boxen ist erlaubter Atavismus in einer postheroischen Gesellschaft, es ist – seien wir ehrlich – legale Körperverletzung. Klitschkos für RTL, Sturm für Sat 1, Abraham für die ARD, das sind die Helden, die aus einem langweiligen Samstagabend eine adrenalingetriebene TV- Show mit Blut. Schweiß, Tränen machen können.

Die ARD weiß um dieses Entertainment, gerade soll der Vertrag mit dem Boxstall Sauerland um drei Jahre verlängert werden. Das kostet die gewaltige Summe von 54 Millionen Gebühreneuro. ARD-Sportkoordinator sucht nach Argumenten. Drei hat er gefunden: Boxen sei eine „sehr zuschauerattraktive Sportart“, gerade beim jungen Publikum, das das ARD-Regelpublikum sonst nur mit Mühe erreicht. Außerdem darf Sauerland nicht als schnöder Box-Promotor gesehen werden, dessen Stall engagiere sich vorbildlich im Kampf gegen Doping und unterstütze intensiv Projekte in der Jugendarbeit, weiß Balkausky. Und dann zeigt der ARD-Mann die schöne Quote für das implementierte „Wort am Sonntag“ herum.

K.O.-Schlagen macht glücklich. Selbst Margot Käßmann wäre im Auftrag des Herrn unterwegs. Nicht Nummerngirl, nicht Ringrichterin, nein, als Lautsprecherin Gottes müsste sie ihr Jesus-Ding in die aufgeheizte Menge rappen.

Nichts davon begriffen hat das ZDF, das der gebührenfinanzierten Mission im Infight komplett abgeschworen hat. Gottgefällig ist das nicht.

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