Medien : Biblisches Rezept: Paradiesäpfel in Soße

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So macht man heute Zeitungsmagazine. Wechselnde Schriftgrößen, viel Bild, viel Bunt, eine Prise "Süddeutsche-Zeitungs-Magazin", ein Blick zurück auf das der "Zeit" - "Chrisma", das in dieser Woche seinen ersten Auftritt hat, ist nach allen Regeln der Kunst gestrickt. Der journalistischen auch: Reportagen, Kolumnen, kleine Rubriken, Tipps, alles das, was nach Branchen-Überzeugung zum Lesen anregen sollen. Selbst ein Rezept fehlt nicht - da es sich bei "Chrisma" um "Das evangelische Magazin" handelt, lehnt es sich an die Bibel an und beschreibt die Zubereitung eines "Paradiesischen Apfels auf Mascarponesoße".

Nur als publizistisches Unternehmen liegt der Neuankömmling quer zu allen aktuellen Erfahrungen. Die Magazine von "FAZ" und "Zeit" deckt der Zeitungs-Rasen. Das der "Süddeutschen Zeitung" hat ganz auf Spaßgesellschaft gesetzt, mal witzig, mal nur witzelnd. Da ein seriöses Magazin in die Welt zu setzen, überdies als Untermieter bei "Süddeutscher Zeitung", "Frankfurter Rundschau", "Zeit" und, etwas verwunderlich, der Dresdner "Sächsischen Zeitung", ist ein Wagnis. Der Anfang ist ja auch eher das Resultat einer Abwicklung. In diesem Magazin ist das "Sonntagsblatt" nach jahrelangen Ringen um seinen Bestand geendet.

Wird die Qualität das schwer Mögliche möglich machen? Sie ist für das erste Heft nicht in Frage zu stellen. Oder gar der leichte Pfarrhaus- und Kirchentagsgeruch? Der ist nicht zu verkennen. Die Evangelische Kirche hat sich mit "Chrisma" von der Last, die sie nicht mehr tragen wollte, freigekauft. Es gibt eine begrenzte Garantie für den Versuch, also eine Chance. Der Rest heißt, der Tonlage des Heftes nicht fremd: Gott befohlen.

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