Medien : "Big Brother" in den USA: Gerne auch im Schlafanzug - keine Proteste

Gerti Schön

Schon bei der ersten Folge von "Big Brother" in den USA ging es ans Eingemachte: Nicht nur im Container selbst, sondern auch bei den Zuschauern. Gibt es Kameras im Badezimmer? Ja, natürlich. Allerdings wird jede Form von Nacktheit, inklusive dem, was nach Bettszenen riecht, vor der Sendung herausgeschnitten, und die Kamera in der Toilette erst angeschaltet, sobald das Örtchen in Verdacht steht, zu einem Rückzugsraum zu werden.

Moralische Proteste blieben aber weitgehend aus. Außer einem Tierschutzverband, der gegen den Verzehr von Ratten auf der Überlebens-Insel von "Survivor" protestierte, hielten sich religiöse und Jugendschutzverbände zurück. Spätestens seit der Krawallshow "Jerry Springer" ist klar, dass die Mehrheit der Amerikaner kein Problem mit öffentlicher Bloßstellung hat. Wie sonst ließe es sich erklären, dass laut einer CNN-Umfrage ein Drittel aller Amerikaner nichts dagegen hat, im Schlafanzug im Fernsehen gezeigt zu werden?

Reality-TV boomt. So sehr, dass das Magazin "Time" schon das Zeitalter des "VTV" ausrief, des "Voyeur-TV", bei dem es nur noch um persönliche Bekenntnisse gehe.

"Es läuft auf etwas hinaus, war wir schon wussten, als wir drei Jahre alt waren", resümiert Bob Thomson vom Zentrum zum Studium von Populär-Fernsehen an der Universität Syracuse. "Und zwar dass wir uns nach Aufmerksamkeit sehnen". Einige der Versuchskaninchen wollen so den Durchbruch zum Star schaffen. Auf den Bewerbungsvideos suchten sie die Aufmerksamkeit der Casting-Chefs, indem sie in die Kamera stöhnten "Ich habe Angst. Ich will raus aus dieser Anonymität".

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