Medien : "Big Brother": Still und leise - Warum der Potsdamer John zum geheimen Favoriten wurde

Inmitten des Jubels wirkt er ein wenig unschlüssig. Mit strahlendem Lachen, aber auch mit skeptischen Blicken machte sich John am Wochenende daran, seinen Überraschungserfolg bei "Big Brother" zu verarbeiten. Geduldig beantwortete er in Köln-Hürth jede Frage der aufgekratzten Journalisten und gab Autogramme. Wie zum Schutz hielt er sich dabei an einem kleinen braunen Teddy fest. Sein Sohn Normen-John hatte ihm das Stofftier vor der Abreise ins Fernsehhaus auf den Koffer gelegt. "Ich bin wahnsinnig stolz", resümierte John mit fast kindlicher Freude seine 100 Tage im TV-Container.

Über den Gewinn von 250 000 Mark habe er sich aber noch keine Gedanken gemacht. Ein charmanter, zurückhaltender Hausmann mit der aufregenden Aura eines Hausbesetzers - so hatten ihn die Zuschauer von "Big Brother" kennengelernt. Und so verhält er sich auch nach seinem Sieg.

Sein Leben in der von Kameras überwachten WG bezeichnet John als Herausforderung. Doch sogleich schränkt der 26-Jährige ein, dass die Erziehung seines Sohnes "die größte Herausforderung" für ihn bleibe. Natürlich freue er sich auf den Trubel, der jetzt auf ihn zukomme. Aber gleichzeitig gibt er zu bedenken, dass für seine Freundin Birte-Katrin jetzt "eine harte Zeit" beginnen könnte. Wer diesen Mann sieht und hört, mit seinem ruhigen Beharren auf das Private, der beginnt zu verstehen, warum gerade er still und leise zum Geheimfavoriten der Zuschauer wurde. Der Traum vom einfachen Glück mit echten Gefühlen - niemand im Fernsehhaus konnte ihn so gut personifizieren wie der arbeitslose Zimmermann aus Potsdam. Kochend, Gitarre spielend, Sport treibend und ausgleichend.

Ein schlichtes Gemüt ist John deshalb nicht. Er bekannte sich öffentlich gegen die "rechten Spinner", die gerade in seiner Brandenburger Heimat die Lebensräume einengen. Er tat es nicht eifernd, sondern mit selbstverständlicher Gelassenheit.

Und auf die Frage, ob mit seinem Sieg die innere Einheit Deutschlands ein Stück vorangekommen sei, antwortete er nur: "Ich fühle mich gar nicht mehr als Ossi." Dann dreht er sich um, um langsamen Schrittes die Reporter hinter sich zu lassen. Auf dem Rücken seiner Weste prangt ein Wort, das ihn in Zukunft begleiten könnte: "Superstar".

Es will nicht recht zu ihm passen.

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