Medien : "Big Diet": Das 40-Millionen-Debakel

Joachim Huber

Margarethe Schreinemakers kehrt der Abspeck-Show "Big Diet" von RTL 2 den Rücken. "Die Zusammenarbeit zwischen den Beteiligten hat gezeigt, dass die jeweiligen programmlichen Vorstellungen zu weit auseinander liegen, um gemeinsam realisiert werden zu können", sagte die Moderatorin am Dienstag. Gekündigt habe sie bereits am letzten Freitag. RTL 2 betonte, dass Schreinemakers Abgang auf "ihren eigenen Wunsch" hin erfolgt sei. "Der Sender bedauert den Entschluss von Frau Schreinemakers, respektiert jedoch ihre Entscheidung und wünscht Ihr für die weitere Zukunft alles Gute", hieß es in einer Mitteilung. Über die Nachfolge werde in den nächsten Tagen gemeinsam mit der Produktionsfirma Endemol entschieden. Damit ist offen, wer die Wochenzusammenfassung am kommenden Sonntag moderieren wird. Nach Angaben von RTL 2-Sprecher Matthias Trenkle seien verschiedene Nachfolger im Gespräch. Der Name Verona Feldbusch ist bereits gefallen.

Mit "Big Diet" hatte Margarethe Schreinemakers am 27. Mai nach mehr als drei Jahren Bildschirm-Pause ein Comeback versucht. Die Kritik am "Hunger-Container" fiel sehr viel harscher aus als die Kritik an der Moderatorin. Schreinemakers fürchtete offenbar, mit der weiterlaufenden Sendung unterzugehen. In der "Bild"-Zeitung wurde sie deutlich: "Ich kann keine Show moderieren, hinter der ich nicht stehe." Der inhaltliche Widerspruch zwischen einem Real-People-Format und ihrer Vorstellung von einem Infotainment-Magazin sei nicht aufzulösen gewesen. Sie sollte laut eigener Aussage eine Show rund um Wellness, Gesundheit und Fitness moderieren, "mit viel Service und Raum für Gespräche". Statt dessen gab es wenige Interviews, drittklassige Promigäste und billige Einspielfilme. Außerdem habe ihr die Festschreibung auf einen 20 Uhr 15-Uhr-Termin nicht gepasst. Eine spätere Ausstrahlung wie am vergangenen Sonntag sei vorteilhafter.

Das Klima zwischen Schreinemakers und der holländischen Produktionsfirma Endemol soll in den vergangenen Tagen spürbar verschlechtert habe. Schreinemakers sei der "Betroffenheitsstil der achtziger Jahre" nicht abzugewöhnen gewesen, sie habe komplette Sendeabläufe "geschmissen" und habe, so ein Insider, bei jeder Gelegenheit "ihr monströses Ego" hinter den Kulissen zur Schau gestellt.

Aus Endemol-Kreisen hieß es, dass Schreinemakers ein Honorar von 300 000 Mark bekommen sollte. Da sie aber nur ein Viertel der Sendungen moderiert habe, werde sie auch nur ein Viertel der Bezüge bekommen. Produzent Endemol und RTL 2 wollen das Format bis zum verabredeten Ende am 9. September fortsetzen. Vom 25. Juni wird es statt der täglichen Sendung nur noch vier Ausgaben pro Woche geben.

Für den Privatsender RTL 2 droht "Big Diet", in der zwölf übergewichtige Kandidaten über 105 Tage abnehmen wollen, zu einem Debakel zu werden. Die Marktanteile lagen bei den 14- bis 49-jährigen Zuschauern mit rund fünf Prozent weit unter erwarteten 15 Prozent. Die Werbepreise für einen 30-Sekunden-Spot wurden um bis zu 75 Prozent gesenkt. Die Gesamtkosten, sie werden auf bis 40 Millionen Mark geschätzt, scheinen nicht mehr refinanzierbar.

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