Medien : "Big Diet": Jenny E. ist relativ

Henryk M. Broder

Zugegeben, es war ein warmer und schwüler Tag, ich hatte einen Heuschnupfenschub und war ziemlich matt. Dennoch: So schnell bin ich lange nicht mehr vor dem Fernsehen eingeschlafen. Kaum hatte Jenny Elvers ihre erste "Big Diet"-Moderation fertig, schlummerte ich schon in einer besseren Welt, in der dicke Menschen nicht vor die Kameras gezerrt, Blondinen in Würde alt und grau und die Zuschauer nicht von Dilettanten gemartert werden. Und als ich dann aufwachte, stand Jenny Elvers immer noch vor der Kamera, kreischig wie Inge Meysel, o-beinig wie John Wayne, und quälte sich durch die Abmoderation. Und da wurde mir klar, wie recht Al Bundy mit seinem Satz hatte, manche Alpträume würden erst nach dem Aufwachen anfangen. Was hatte ich nur verpasst? Gespräche mit dicken Menschen über das Dicksein, das Abnehmen und das Leben nach dem Essen? Eine philosophische Runde über die Freuden des Mutterseins mit Jenny und Ramona? Oder einen Auftritt von Alice Schwarzer, die bei Kerner mit Verona Feldbusch über die Frauenbewegung diskutieren will?

Das wäre übrigens meine absolute Traumcombo: Elvers, Feldbusch, Schwarzer, moderiert von Ralf Morgenstern oder Wolfgang Joop, live aus der Sauna. Ein echtes Gipfeltreffen sozusagen. Aber das gibt es schon. Eine Stunde nach ihrer Show bei meinem Lieblingssender RTL 2 trat Jenny Elvers unter dem Pseudonym Roger Willemsen in der ZDF-Sendung "Gipfeltreffen" auf. Am Rande waren da noch Herbert Grönemeyer und Paul Spiegel, die sich in einer rheinischen Raststätte zu einem Selbstgespräch trafen. Und da wurde mir das Wesen der Relativitätstheorie klar: Man soll den Fernsehabend nicht vor dem Ende besprechen, es kann immer noch schlimmer kommen. Wo Jenny ist, kann Roger nicht weit weg sein. Nächsten Sonntag wird er "Big Diet" moderieren, und keiner wird Jenny vermissen.

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