Bilanzen : Abo auf rote Zahlen

Pay-TV Sky bleibt bei Umsatz und Kundenzahl blass

Joachim Huber

Der Bezahlsender Sky bleibt auch unter neuem Namen in der Verlustzone. Im dritten Quartal rutschte die frühere Premiere AG tiefer in die roten Zahlen. Der Umsatz und die Zahl der Neukunden fielen schwächer aus als geplant. Sky-Chef Mark Williams will die Gewinnschwelle nun mit weniger Abonnenten erreichen. Die Börse reagierte enttäuscht, die Sky-Aktie verlor bis zu zwölf Prozent.

Der für die Branche wichtige Umsatz pro Kunde stieg zwischen Juli und Ende September von 25,20 Euro im Vorquartal auf 25,77 Euro. Im vierten Quartal 2009 sollen es 27 Euro sein und im ersten Quartal 2010 dann 29 Euro. Williams erwartet, dass damit nur noch 2,8 bis 3,0 Millionen Abonnenten nötig sind, um Ende 2010 in die Gewinnzone zu kommen. Bislang war er von 3,0 bis 3,4 Millionen ausgegangen. Ende September hatte Sky 2,431 Millionen Kunden.

Williams hat stets betont, dass ihm die absolute Kundenzahl weniger wichtig sei als der Erlös pro Abonnent. Die Rechnung des Australiers, der einzelne Sky-Kunde werde mehr und teurere Rechtepakete buchen als der PremiereAbonnent, will nicht so recht aufgehen. Rupert Murdoch, mit knapp 40 Prozent bei Sky engagiert, wird noch viele weitere Millionen Euro ins deutsche Pay-TV pumpen müssen. Auch wegen hoher Abschreibungen häufte Premiere/Sky in den ersten neun Monaten eine halbe Milliarde Euro an Verlust an.

Die Zahl der Neukunden stieg im dritten Quartal um 67 000 an. Williams gab sich mit dem ersten Quartal nach dem Neustart im Großen und Ganzen zufrieden, gestand aber zu, dass das Plus an Kunden wegen nach wie vor zu hoher Kündigungsraten insgesamt enttäuscht habe. „Das Wachstum ist nicht da, wo wir uns das erhofft hatten.“

Die Senderspitze hat auch darauf gesetzt, dass die einstigen Arena-Kunden, immerhin 700 000, sich für Sky und sein Bundesliga-Programm entscheiden würden. Zwar spricht das Unternehmen davon, einschließlich des zwölften Spieltags am vergangenen Wochenende sei die „aggregierte Zuschauerzahl“ im Vergleich zum Vorjahr um 65 Prozent gestiegen. Genaue Zahlen nannte der Konzern nicht. Die Hoffnung auf viele neue (Fußball-)Interessenten hat sich nur teilweise erfüllt, zumal mit dem Internetfernsehen von T-Home ein ernsthafter Konkurrent für die Fußball-Bundesliga live aufgetaucht ist. Die Deutsche Telekom schiebt ihr IPTV-Angebot „Entertain“ und den Fußballsender „Liga total“ mit ebenso großem Mediendruck in den Markt wie die Williams-Truppe ihr „Sky Bundesliga“-Paket, für das der Abonnent mindestens 32,90 Euro bezahlen muss (bei Premiere gab es die Bundesliga monatlich für 19,90 Euro). 850 000 Kunden haben sich für „Entertain“ entschieden, die Million scheint noch vor Weihnachten erreichbar. Spekuliert werden darf, ob diese Zahl die Investition bereits finanziert. Einen Vorteil hat T-Home schon auf seiner Habenseite: Der Konzern zahlt mit rund 20 Millionen Euro jährlich nur ein Zehntel der Summe, die Sky Deutschland für alle 612 Spiele der ersten und zweiten Bundesliga hinblättert. Joachim Huber

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben