Medien : „Bild“-Chef lässt sich von Lesern beraten Beirat soll die Zeitung besser machen

Neulich wurde das Auto von „Bild“-Chef Kai Diekmann mit einem Brandsatz angezündet. Vermutlich wollte der Täter damit demonstrieren, was er vom Chefredakteur und seinem Boulevardblatt hält. Künftig gibt es zivilere und viel geeignetere Möglichkeiten zur Meinungsäußerung, denn „Bild“ gründet jetzt einen so- genannten Leserbeirat. Nach eigenen Angaben ein Novum in der deutschen Zeitungslandschaft. Das Gremium wird aus 32 Lesern bestehen und soll einen „Querschnitt der Gesellschaft“ darstellen, teilte das Blatt in seiner Dienstagsausgabe mit. Ziel dieses Beirats: „Bild“ soll „noch besser“ werden, wie sich Initiator Diekmann wünscht.

Zweimal jährlich wird das Gremium zu einer Redaktionssitzung eingeladen; zunächst nach Hamburg, später dann nach Berlin, dem künftigen Hauptsitz. Hier dürfen die Teilnehmer dem Chefredakteur dann persönlich sagen, was nach ihrer Meinung an „Bild“ gut und schlecht ist. In den Sitzungen soll beispielsweise diskutiert werden, welche Themen die Ratsmitglieder beschäftigen, was die Redaktion ernster nehmen soll, und worüber mehr oder weniger berichtet werden müsse.

Bewerben darf sich jeder. In der gestrigen Ausgabe lag bereits der dafür notwendige Bogen bei, mit dem nach Lesegewohnheiten und persönlichem Hintergrund gefragt wurde. Besondere Qualifikationen sind nicht notwendig. Wer es in den Leserbeirat schafft, will die Chefredaktion selbst entscheiden. Geld gibt es für den Job nicht, denn Mitglied im „Bild“-Leserbeirat zu sein, ist nach Ansicht der Redaktion ein „Ehrenamt“. Allerdings würden den Teilnehmern Reise, Unterkunft und Verpflegung gezahlt. Noch in diesem Jahr soll der Rat zum ersten Mal tagen. Dass „Bild“ seine Leser eng in die Zeitungsproduktion einbindet, ist nicht neu. Täglich gehen in der Redaktion mehr als tausend Bilder ein, die von den sogenannten „Leser-Reportern“ gemacht wurden. Die Spektakulärsten werden abgedruckt. Wie groß der Einfluss vom Leserbeirat ist, wird sich zeigen. Die Artikel wollen die „Bild“-Redakteure jedenfalls weiterhin selbst schreiben. sop

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