Medien : „Bild“ hat sich verbrüht

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Herr Marks, worüber haben Sie sich in der vergangenen Woche in den Medien am meisten geärgert?

Über die „Bild“Zeitung am Donnerstag. Da wird eines der schönsten Fußball-Stadien der Welt in München mit einem rauschenden Fest eröffnet. Das einzige dreirangige Kolosseum Deutschlands begeistert 66 000 Zuschauer. Der FC Bayern vermöbelt auf dem Rasen die Nationalelf. Doch was bewegt Deutschlands größte Zeitung? Sarah Connors Text-Patzer bei der Nationalhymne („Brüh im Lichte dieses Glückes“). Auf der Titelseite gibt es keinen Jubel über die Arena, kein Wort von der Euphorie im neuen Fußball-Tempel. Stattdessen ein Foto der blonden Sarah Connor und eine Erklärung, die niemand braucht: „Darum habe ich mich versungen.“ Schade.

Gab es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?

Über die tolle investigative Leistung des Journalisten Volker Lilienthal. Der Redakteur der evangelischen Nachrichtenagentur epd medien hat nach zähen Recherchen aufgedeckt, dass es unter anderem in der ARD-Vorabendserie „Marienhof“ jahrelang rechtswidrige Schleichwerbung für Unternehmen gegeben hat. Kulissen, selbst Dialoge waren käuflich. Da warben Schauspieler für den EU-Beitritt der Türkei oder für Last-Minute-Reisen. Die „FAZ“ hat diese inhaltliche Korruption ein „Watergate“ für die ARD genannt. Für die Öffentlich-Rechtlichen wird es jetzt schwieriger, die Rundfunkgebühren mit inhaltlicher Qualität zu begründen.

Jürgen Marks, 42, ist Chefredakteur von

Focus Online. Von 1990 bis 1995

arbeitete er in Berlin für „Die Welt“ und die „Berliner Morgenpost“.

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