Medien : "Bild": Wagner: "Ein Chefredakteur darf das"

usi

"Das muss der Star aushalten", findet Franz Josef Wagner. Am Donnerstag hatte er für seine "Bild"-Kolumne "Post von Wagner" an den "Star-Reporter" Paul Sahner von der "Bunten" geschrieben. Es ging um Sahners Interview mit Rudolf Scharpings Noch-Ehefrau. Darum, wie sie das Medienspektakel um den öffentlich turtelnden Verteidigungsminister verkraftet. Wagner nennt Sahner im Brief einen "Menschenflüsterer", einen "Reporter der Seele" - "ein Kompliment", sagt Wagner. Genau wie der Satz, in dem er an ihre gemeinsame Arbeit als Jungreporter erinnerte: "Ich machte Mord, du Tränen."

Am Donnerstag (wir berichteten) wurde Wagners Brief an Sahner aus dem Blatt geworfen und durch unambitionierte Leserbriefe aus der Reihe "Post an Wagner" ersetzt. Der Chefredaktion hatte der "Grundtenor" nicht gefallen. Nicht zum ersten Mal. Auch ein Brief an Angela Merkel wurde mal nicht veröffentlicht. "Ein Chefredakteur darf das", sagt Wagner. Er kennt das. Er war Sahners Chef, der von "Bild"-Chef Kai Diekmann und auch von dessen Vize Walter Mayer. Wie oft hat Wagner Texte anderer gekippt? Manchmal fragte er sich laut, wie ein Computer "so etwas" überhaupt speichern mag.

Was war so schlimm an Wagners Brief an Sahner? Er hatte ihn am Donnerstagabend spät geliefert. Deshalb landete er überhaupt noch in einigen Exemplaren aus dem Münchner Andruck, der in Österreich, auf Malta, und auch auf "Bunte"-Schreibtischen landet. Vielleicht lag es daran, dass da eine Journalistenlegende über die andere schrieb. Oder daran, dass man nichts aus Sahners Privatleben veröffentlichen wollte. Wagner schrieb, er wisse, "dass du Scharping gesagt hast wie sehr du ihn beneidest um seine Liebe, weil deine Frau wieder mal ausgezogen ist". Sahner habe das selbst erzählt, es sei "Münchner Stadtgespräch". Doch obwohl Sahner - mit Ausnahme des Papstes - fast jeden Prominenten interviewt, vor nichts Intimem Halt gemacht hat, wollte man Sahners Privatleben schützen. Unter Journalisten geht das.

0 Kommentare

Neuester Kommentar