Bildstörung : Boykott nach Fotoverbot bei Britney Spears’ Berliner Konzert

Beim Konzert in der 02-World sind freie Bildjournalisten und Agenturfotografen nicht zugelassen - nicht zum ersten Mal. Auch die Reaktion ist bekannt.

Vera Pache
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Britney SpearsFoto: ddp

Blitzlichtgewitter begleitet Britney Spears gewöhnlich auf Schritt und Tritt. Journalisten berichten ausführlich über nahezu jede Bewegung der Sängerin. Doch beim einzigen Deutschland-Konzert ihrer aktuellen Tournee am kommenden Sonntag in Berlin werden Kameras und Berichterstatter fehlen. Der Grund: Freie Bildjournalisten und Agenturfotografen sind nicht zugelassen. Nach Angaben der O2 World geht diese Sperre auf Spears’ Management zurück, das die Verbreitung der Bilder kontrollieren will.

Nachrichtenagenturen wie dpa, ddp oder AP haben sich deswegen jetzt zusammengeschlossen und werden auf eine Berichterstattung über das Berliner Konzert in Wort und Bild komplett verzichten. „Das haben wir schon öfter gemacht“, sagt Peter Gehrig, Chefredakteur von AP. Wenn das Management so ein Tamtam mache, müssten sie halt auf Werbung verzichten. Da Britney Spears nur ein Konzert gebe, sei die Berichterstattung für die Veranstalter wahrscheinlich verzichtbarer, als wenn es mehrere Konzerte in verschiedenen Städten gäbe, so Gehrig. Nachrichtenagenturen beliefern Medien mit Texten und Bildern. Dieses Angebot gilt als Einheit.

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) kritisierte die Sperre ebenfalls und sieht darin einen Angriff auf die Pressefreiheit. „Das kann nicht sein. Da ist ein Boykott die einzige und richtige Lösung“, sagt Eva Werner, stellvertrende Pressesprecherin des DJV.

Schon früher ist es vorgekommen, dass Agenturfotografen in ihrer Arbeit eingeschränkt wurden. So boykottierten die Nachrichtenagenturen im vergangenen Jahr bereits Konzerte der Rockgruppe KISS und des Sängers Leonard Cohen. Der DJV hat schon mehrmals Bildjournalisten vor der Unterzeichnung von „Knebelverträgen“ gewarnt. So auch bei den Akkreditierungen für eine Justin-Timberlake-Tournee im Jahr 2007. Damals hätten die Fotografen bereits vor der Tournee angeben müssen, wann und wo sie die Bilder veröffentlichen.

„Die Landesgesetzgeber müssten veranlassen, dass bei solchen Veranstaltungen freier Zugang für Medienvertreter gewährt wird“, so DJV-Sprecherin Eva Werner über eine mögliche Lösung. vep

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